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| Erde... Das Christentum aber ist die Lehre von der ins Fleisch
eingehenden Gotteskraft. Also schon bei Epiktet ist die un- widerlegliche Konsequenz dargelegt, die den zu Gott drängen- den und von Gott erfüllten Menschen zu der Idee von der Vergöttlichung des Menschen bringt und ebenso zu der Idee von der Menschwerdung Gottes, also auch zu jenem Glauben an die vollkommene Verwirklichung des Göttlichen inmitten aller irdischen Halbheiten. Natürlich entsteht dann aus solcher letzter Vereinigung von Gott und Mensch die ganze Realität des Gott- menschen und führt unbestreitbar zu jener moralischen Logik, die das Alte mit dem Neuen Testament verbindet. Trotzdem aber klafft scheinbar ein schwerer Widerspruch zwischen den bei- den Testamenten, der dann zum Kreuze Christi und zur unab- wendbaren Verfolgung der Juden führen mußte. Es kann doch auf die Dauer nicht so einfach all das hingenommen werden, was zu immer neuen Verfolgungen und zu der Mißachtung der Ju- den beiträgt. Dies muß doch endlich restlos geklärt werden. Das aber kann doch nur in folgendem Sinne geschehen: Wir haben einmal dem Judentum zuzugeben, daß seine fast übermensch- liche Charakterkraft in der Verteidigung des einen und einzigen Gottes weltgeschichtlich unbedingt nötig war, um der charakter- verderbenden Gefahr der Vielgötterei zu entrinnen. Hier aber haben wir andererseits unser Gewissen und unsere Vernunft un- bedingt der Wahrheit des vielsagenden Geheimnisses zu öffnen, nämlich daß es gar nicht anders sein konnte, als daß aus dem alttestamentlichen Bunde von Gott und Mensch logisch die Menschwerdung Gottes hervorgehen mußte.
Vergessen wir doch nicht, daß es die zentrale Aufgabe der Geistesherrschaft ist,mit der wir hier zu tun haben und die heute mehr als je im Mittelpunkt aller Probleme steht. In der religiö- sen Sprache ausgedrückt, ist es die Vereinigung von Gott und Mensch; oder in der Goetheschen Sprache ausgedrückt:„Und was in schwankender Erscheinung schwebt, befestiget mit dauernden Gedanken...“ Bei allem Unterschied handelt es sich um die eine Aufgabe, in einer chaotischen Innenwelt und in einer eben- so chaotischen Außenwelt die wahre Rangordnung aller Dinge zur Anerkennung zu bringen.
Am Anfang dieses Buches sagten wir, daß die nichtjüdischen Völker sich mit der Schöpfung beschäftigt haben, der jüdische Geist aber, wo er wirklich Geist war und nicht etwa bloße In- telligenz, habe sich vor allem mit dem Schöpfer beschäftigt und habe ihm inmitten unerhörter Prüfungen eine unvergleichliche
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