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Die jüdische Frage : vom Mysterium Israels / Friedrich Wilhelm Foerster
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greifen und anzuerkennen, jenes christliche Mysterium, das zur ganzen Welt gesprochen hat.

Die Zeit, in der Jesus auftrat, war, wie wir oben im Anschluß an Josephus Flavius gezeigt haben, die Zeit, in der die römischen Cäsaren begannen, von den unterworfenen Völkern göttliche Verehrung zu verlangen und solches nicht zuletzt für den Tem- pel in Jerusalem zu fordern. Gegen diese römische Vergötterung eines bloßen Menschen stand die ganze Tradition des einigen und einzigen Gottes auf, in deren Namen das Judentum sich schon seit mehr als tausend Jahren gegen jeden Einbruch frem- der Götter gewehrt hatte.Du sollst keine anderen Götter haben neben mir, so lautete doch das mosaische Gebot. Aber was war nun jenes furchtbare Mißverständnis? Es bestand darin, wie wir weiter oben im Anschluß an unseren Bericht über den ersten großen religiösen Konflikt zwischen Rom und Jerusalem gezeigt haben, daß man zwei grundverschiedene Dinge miteinander ver- wechselte, nämlich: die Vergötterung eines sterblichen Menschen, wie es der römische Cäsar war, und die Menschwerdung Gottes in der Erscheinung Christi. Sind es doch zwei gänzlich verschie- dene Dinge, wenn der Mensch sich zum Gott aufbläht, oder wenn der Heilige Geist zur Erde herniedersteigt und der Sohn durch ihn aus der JungfrauFleisch annimmt. Dieses Geheimnis zu erfassen und den weltweiten Unterschied zwischen der Vergött- lichung eines Menschen und der Menschwerdung des göttlichen Geistes zu verstehen, das ging natürlich nicht nur weit über die Fassungskraft des Volkes, sondern auch über diejenige eines Kaiphas und eines Pilatus hinaus, ja es ging sogar weit über die- jenige vieler Christen hinaus, die sich keine Mühe gaben, jenes ungeheuere Mißverständnis als solches zu verstehen und aufzu- klären und dadurch die jüdische Schuld durch eine ganz neue Deutung ihrer Entstehung verständlich zu machen. In dem rät- selhaften Zusammenspiel weltgeschichtlicher Kräfte aber brach die unerbittliche Strenge durch, mit der das Judentum die über- weltliche und übermenschliche Majestät des unsichtbaren Gottes von aller Vermischung mit der Welt der Kreatur reinzuhalten bestrebt war. Die unumgängliche Bedingung für die Überwin- dung jener unseligen Verwechslung des vergötterten Cäsars mit der menschgewordenen Gottheit war aber, daß das Geheimnis der Trinität langsam verstanden und dogmatisch formuliert wurde, ohne daß die erstePerson dieser Trinität durch die zweite verdunkelt und ihrer Einzigkeit beraubt wurde. Mit größtem Recht spricht man immer wieder von der Zusammengehörigkeit

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