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von Geist und Natur, wie es die beiden geheilig- ten Testamente durchdringt und auf die Lösung aller Lösungen hinweist.
Das ungeheure Mißverständnis
Überblickt man die Anklagen, die in den letzten zweitausend Jahren gegen das jüdische Volk gerichtet worden sind, so ist die größte und schwerste diejenige, die immer lauter ertönte, je mehr sich das Christentum als kirchliche Macht konsolidierte:„Ihr habt das Heil der Welt gekreuzigt— das kann euch in alleEwig- keit nicht verziehen werden.“ Natürlich kann niemand die Rea- lität leugnen, die hinter dieser Anklage steht, und doch ist dazu Entscheidendes zu sagen. Daß in einem bestimmten Augenblick der jüdischen Geschichte die religiösen Führer sich durchzusetzen wußten, ohne daß das Volk auch nur begriff, worum es sich han- delte, kann doch nicht im geringsten alles das annullieren, was gemäß dem göttlichen Heilsplan im Alten Testament zur Vor- bereitung des Christentums geleistet worden war. Es kann auch nicht annullieren, daß die Vorsehung eine Jüdin erwählte, um dem Heiland der Welt das Leben zu geben. Ein jüdischer König dichtete Psalmen, die nicht nur die jüdische Welt auf die Höhe der Anbetung der alles durchdringenden göttlichen Wahrheit er- hoben haben, sondern die auch die christliche Kirche durch alle Jahrhunderte hindurch wie eine himmlische Musik durchdrangen und von den Gläubigen aller Zeiten als ein erhabenes Bekennt- nis wiederholt worden sind. Wie war es daher nur möglich, das- jenige Volk zu ächten und wie eine Bande von Unmenschen zu verfolgen, dem wir so unerreichte Zeugnisse von der Wirklich- keit Gottes verdanken? Wo bleibt der Dank der Christen für dieses Fundament, auf dessen mächtigen Quadern die ganze eherne Stärke ihres Glaubens ruht und von dem aus sie zu ihren höchsten geistigen Gewißheiten emporgestiegen ist? War es wirklich nur ein Zufall, oder war es Gottes Wille, daß der Gott- mensch von einer jüdischen Mutter geboren wurde und in der unerschütterlichen Sicherheit des jüdischen Monotheismus empor- wuchs, statt daß er etwa in der Sphäre der homerischen Odyssee das Licht der Welt erblickt hätte? Aber hier kommt noch etwas viel Größeres in Frage, nämlich die unabweisbare Richtigstellung eines mehr als tragischen Mißverständnisses, das die Juden ver- hinderte, Wesen und Sinn dieses göttlichen Geheimnisses zu be-
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