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psychotherapeutisch zu versöhnen und damit auch eine neue theologische Ausgleichung vorzubereiten*.
Der Drang der Schöpfung zum Schöpfer
Dem Verfasser der vorliegenden Schrift wurde einmal von einem durchaus ernst zu nehmenden liberalen jüdischen Freunde die Bemerkung entgegengehalten: das Christentum mit seiner Lehre vom Gottmenschen gehöre doch unbestreitbar zu den polythe- istischen Religionen, welche Kritik doch völlig außer acht läßt, daß in der christlichen Theologie nirgends von zwei voneinander unabhängigen Göttern gesprochen wird. Vielmehr handelt es sich immer nur um die Menschwerdung der zweiten Person in der dreieinigen Gottheit. Für das Verständnis des hier vorliegen- den großen Mysteriums erscheint es dem Verfasser nützlich, nicht etwa von der Theologie der Trinität und ihrer Psychologie aus- zugehen, sondern einen jüdischen Religionsphilosophen aus der spanischen Epoche des Judentums zu Wort kommen zu lassen, damit dem Leser von dorther klargemacht werde, daß die soge- nannte„Fleischwerdung des Wortes“ zweifellos in der jüdischen Gotteslehre ihre gewichtigen Hinweise besitzt.
In der Blütezeit der arabisch-jüdischen Zusammenarbeit in Spanien, also etwa zu Beginn des elften Jahrhunderts, hat der weit über Spanien hinaus berühmte Philosoph Salomon ibn Gabirol— im tiefsten Sinne des Alten Testaments— über Gott und Welt, d. h. über die geheimnisvolle Untrennbarkeit der irdi- schen Welt und der Gotteswelt, das Folgende, Allereinfachste und Wesentlichste gesagt:„Die Kraft des göttlichen Willens wirkt hinab bis zum äußersten Saum der niedersten Kreatur.“ Und so, wie das Göttliche unablässig Kraft aus sich entläßt, um alles— von der Urmaterie bis zum kleinsten Lebewesen— zu durch- dringen, so erzeugt es andererseits ebdnso unablässig in der ge- schaffenen Welt den Drang nach jener höchsten Ordnung aller Ordnungen, also nach der„Fons vitae“(der„Quelle des Le- bens“), womit schon angedeutet ist, daß das Wirken der Lebens- kräfte nicht nur ein bloß triebhaftes Geschehen ist, sondern unter
* Viktor E. Frankl, Die Existenzanalyse und die Probleme der Zeit (Wien 1947).— Paul Polak, Frankls Existenzanalyse in ihrer Bedeu- tung für Anthropologie und Psychotherapie.— Hierher gehören auch die erstklassigen Schriften des Wiener Psycho-Pathologen Caruso.
3 Foerster, Jüdische Frage 33


