Die Juden beriefen sich auf ihr Gesetz und die Sitte ihrer Väter, die ihnen verböten, daß irgendein Bild Gottes, geschweige eines Menschen, im Tempel oder auch nur an einem gewöhnlichen Platz irgendwo im Lande aufgestellt werde. Petronius erwiderte: ‚Ich muß dem Gebot meines Herrn nachkommen; wenn ich aus Schonung gegen euch dasselbe hintansetze, so ziehe ich mir das Verderben zu, und nicht ich, sondern der mich gesandt hat und unter dessen Befehle ich stehe, genauso wie ihr, wird euch den Krieg erklären.‘ Hierauf schrie der ganze Volkshaufe: ‚Wir sind bereit, alles für das Gesetz zu erleiden.‘ Nachdem er sie zum Schweigen gebracht, fragte Petronius weiter: ‚Ihr wollt also wider den Kaiser streiten?‘, worauf die Juden antworteten: ‚Für den Kaiser und das römische Volk bringen wir zweimal des Tages Opfer dar, wolle er aber die Bildsäulen aufstellen, so müsse er vorher das ganze Judenvolk schlachten; gerne böten sie sich mit ihren Weibern und Kindern zum Opfer dar.‘ Diese un- erschütterliche Frömmigkeit und Todesverachtung flößte dem Petronius Staunen und Mitleid zugleich ein. Man ging unver- richteterdinge auseinander.
An den folgenden Tagen berief er zuerst die Vornehmeren zu sich, dann versammelte er das Volk und drang mit Ermah- nungen, Gründen und Drohungen auf sie ein, stellte ihnen die Macht der Römer, den Zorn des Kaisers und die peinliche Ver- legenheit vor, in welche er selbst dadurch versetzt werde. Als keine Vorstellung fruchten wollte und Petronius sehen mußte, wie das Land in Gefahr stehe, unbesät zu bleiben, weil das Volk fünfzig Tage lang zur Zeit der Aussaat müßig in der Stadt ver- harrte, berief er sie noch einmal zu sich: ‚So will ich denn‘, sagte er, ‚das Wagnis auf mich nehmen; gelingt es mir, den Kai- ser zu besänfligen, so werden wir uns gemeinschaftlich der Ret- tung freuen— triffl mich seine Ungnade, so will ich für so viele Menschen gern mein Leben zum Opfer bringen.‘ Unter dieser Versicherung entließ er die Menge, die ihn mit Segenswünschen überhäufle. Er brach mit seinem Heere auf und zog sich nach Antiochia zurück. Dort schrieb er sofort an Kaiser Cajus, be- richtete über seinen Zug ins jüdische Land, brachte die flehent- lichen Bitten der Juden zur Sprache und gab zu bedenken, daß man, um nicht Land und Leute zugrunde zu richten, ihr her- kömmliches Gesetz unangetastet lassen und von den Befehlen abstehen müsse. Auf diesen Bericht gab der Kaiser keine gnädige Antwort, vielmehr bedrohte er den Petronius— als säumigen Vollstrecker kaiserlicher Befehle— mit dem Tode. Allein es traf
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