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Die jüdische Frage : vom Mysterium Israels / Friedrich Wilhelm Foerster
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giöse Fundament der ganzen christlichen Kultur; es hat diesen Monotheismus vor der Zerstörung Jerusalems mit einzig da- stehendem Heroismus gegen die gesamte polytheistische Nachbar- schaft verteidigt und dabei eine Glaubenskraft und Charakter- stärke bewiesen, die sich auch dem gesamten sittlichen Erbgut mitgeteilt hat, um das sich die Juden Jahrtausende hindurch immer aufs neue gesammelt haben.

Was in diesem Sinne durch die jüdische Geschichte begründet und vorbereitet worden ist, das erkennt man am klarsten aus einem sehr wichtigen Bericht des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus Flavius über zwei der großartigsten Szenen der ganzen menschlichen Geschichte, die mit größter Klarheit zeigen, welches die wesentliche Natur und Bestimmung des jüdischen Volkes war und warum für die Erscheinung des Christentums in dieser verworrenen Welt das Wirken des Heiligen Geistes in der jüdi- schen Geschichte ebenso von Bedeutung war wie seine Herab- kunft auf die Jungfrau, die der Mittelpunkt des christlichen Mysteriums wurde. Beginnen wir mit dem folgenden Ereignis: Unter der Regierung des Kaisers Tiberius wurde Pilatus zum Statthalter von Judäa ernannt. Über die ersten Erlebnisse des Pilatus in Judäa sagt der Bericht des Josephus Flavius:

Pilatus brachte in der Nacht verhüllte Bilder des Kaisers' nach Jerusalem. Sobald der Tag anbrach, entstand hierüber großer Lärm unter den Juden. Wer die Fahnen sah, erschrak, weil man eine Verletzung des geheiligten Gesetzes darin erblicken mußte, denn dieses verbot aufs strengste, irgendein Bild in der Stadt aufzustellen?. Während in Jerusalem sich allgemeiner Unwille aussprach, strömte das Landvolk in Mengen herbei. Man eilte

1 Kleine goldene Büsten des Kaisers, die oben auf den Fahnenstangen angebracht wurden.

? Durch die Apotheose der Kaiser, die damals schon anfing, wurden jene Bilder zu Götzenbildern und erschienen den Juden als die trau- rigste Verirrung aller Abgötterei. Sie waren ohne Zweifel vor dem römischen Hauptquartier aufgestellt, das in der Nähe des Tempels in der Burg sich befand. Da sich bekanntlich Herodes bei seinen Bauten zwar erlaubte, einen fremden Stil, Inschriften, sogar das Bild eines goldenen Adlers im Tempel anzubringen, aber es doch nie bis zur Aufstellung von Bildsäulen trieb, während er in Cäsarea und anderen halb heidnischen Städten solche errichtete, so mußte die Überschreitung dieser Grenze der Achtung vor den alten volkstümlichen Institutionen und dem Gesetz gerade von einem Römer und in der Zeit einer neuen, streng theokratischen Reaktion in Judäa desto größere Bitterkeiterregen.

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