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Die jüdische Frage : vom Mysterium Israels / Friedrich Wilhelm Foerster
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Absturz an:... Dann wird dieses himmlische Jerusalem in den

Abgrund rollen, und niemand wird imstande sein, es zurückzu- halten... Was ist nun im Lichte einer solchen psychologischen Beschreibung eines weltgeschichtlichen Zusammenspiels von Schuld und Schicksal, von Weite und Enge, von Himmel und Erde das Wesen der jüdischen Tragödie? Sie besteht keineswegs allein in den furchtbaren Schicksalen, von denen das jüdische Volk wäh- rend seines ganzen geschichtlichen Lebensweges heimgesucht wurde, sondern vor allem in einer tiefverborgenen rätselhaften Schuld, nämlich in der Auflehnung gegen einen göttlichen Heils- plan, dem alle Gaben und Schickungen zu dienen bestimmt waren, die dem jüdischen Volke verliehen worden sind, also im Abfall von seiner geistigen Berufung und Mission in einem Abfall in alle Blindheiten und Gewöhnlichkeiten der ungeistigen Welt. Das jüdische Volk ging immer wieder einen falschen Weg: es wünschte das verführerische Beispiel der umgebenden Völker nachzuahmen, es berief sich gegenüber seinen religiösen Führern immer wieder auf jene Beispiele und wollte nicht erkennen, daß eine solche Nachahmung fremder Vorbilder die Juden stets zu Unheil führen mußte, eben weil sie für etwas ganz anderes ge- schaffen waren als die beneideten Nachbarvölker. Wenn jene fremden Institutionen und Prinzipien, also jene rein politischen Zielsetzungen, in die jüdische Lebensatmosphäre verpflanzt wur- den, so nahmen sie dort sofort eine überhitzte Temperatur an und versetzten die ganze jüdische Nation in politische Rotglut. Die Juden erlagen immer von neuem der Versuchung, sich im Dienste äußerer Lebenserfolge auszugeben. Wer vom Absoluten ergriffen ist, der hat es schwer, sich mit der Welt der Kompro-

misse abzufinden, und hier liegt der Grund, warum im allge-

meinen die Völker, die eine geistige Mission haben, politisch immer Schiffbruch erleiden, eben weil ihnen der nötige Realis- mus fehlt, um den falschen Weg rechtzeitig zu erkennen, statt Politik im gewöhnlichen, subalternen Sinne zu machen. Gerettet können sie nur werden, wenn sie ihre Beziehungen zur übrigen Welt von den höchsten sittlichen Gesichtspunkten aus zu regeln verstehen, so wie es Gandhi anstrebte, dem es zu danken ist, daß Indien sich nicht durch terroristische Akte zu befreien versuchte und darum dieser Befreiung einen unbestreitbaren und dauern- den Erfolg zu sichern verstand.

In jedem Falle: solchen Völkern sind höhere Geistesgaben ver- liehen worden, nicht etwa nur, um abseits der Wirklichkeit in einer reineren Sphäre zu leben, sondern vor allem, um ihre

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