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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
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Hingabe und Freundschaft ausgehalten hatte: Abbe Stenger, Georges Frilet von Marseille, Andre Page, Bel- lier und einige andere.

Wir übertrugen dem kleinen Roux, Moutin, Pierrot Pujol und dem jungen Perret die Sorge um die Sachen und die Wertgegenstände unserer Kameraden, die die SS in der Kleiderkammer vergessen hatte und die wir durch ein Wunder vor der allgemeinen Plünderung hatten retten können, die der Befreiung folgte. In ihr hatten sich die Söldner der Wlassow-Armee ganz be- sonders hervorgetan. Nachdem wir die Aufgabe, die wir uns gestellt hatten, einigermaßen erfüllt hatten, traten wir den Heimweg an, der Kanonikus Daguzan, Citron, der gute Nicot und ich im Mercedeswagen, den General Leclerc uns zur Verfügung gestellt hatte. Ein letzter Blick auf das Lager, wo wir in der Einfriedung des er- loschenen Krematoriums soviel Asche unserer Brüder zurückließen und einen Blick nach dem Leitenberg, wo die Leiber von Tausenden von Kameraden lagen, die nicht wie wir diesen unbeschreiblichen Augenblick des Glücks erlebten.

Wir hatten uns bei der Abfahrt vorgenommen, den Rhein nicht zu überschreiten, ohne kräftig die Marseil- laise anzustimmen, um den Augenblick richtig zu feiern. Nicot hatte diesen Gedanken gehabt. Aber als wir am nächsten Morgen tatsächlich zum Fluß kamen, fehlte uns der Schneid, um das Versprechen auszufüh- ten. General de Lattre hatte durch die Pioniere seiner ersten Armee die bekannte Schrifttafel der Großen des Jahres II nachmachen lassen:Hier beginnt das Land der Freiheit. Das verschlug uns den Atem. Die Frei- heit! Wir hatten uns so oft, so lange nach ihr gesehnt, mit zitternder Stimme während unserer endlosen An- treterei davon gesprochen, daß schon die Tatsache, den Namen der Freiheit in blau und rot auf der weißen

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