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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
Seite
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I

Um die Bäckerjungenstunde

So, das wäre geschafft! Nun hat sich hinter mir die Tür des schäbigen Zimmers im Hotel Terminus ge- schlossen, in das mich der Feldwebel geführt hat. Ich wundere mich, von mir dieses Wort zu hören. Es ist aber nicht zu leugnen: meine erste Reaktion nach die- sem langen erschöpfenden Dasein als gejagter, ge- hetzter Mensch ist schon dieser Seufzer der Erleichte- rung.

Feigheit? Vielleicht, alles in allem gesehen. Aber es kommt noch etwas anderes dazu. Noch nie hatte ich das Gefühl der eigenen Entschlußmöglichkeit der Emanzipation, mit einem Wort: der vollen Freiheit, so stark gespürt wie gerade in diesem Augenblick, wo das, was man gemeinhin die Freiheit nennt, mir entzogen worden ist.

Fast beschämt auf der Bettkante sitzend, halte ich mich mit der Untersuchung dieses Widerspruchs nicht lange auf. Durch das Fenster vor mir sehe ich mit sicheren Schritten eine liebe Gestalt gehen unvorsichtig auf Nachrichten ausgehend, die liebste von allen! Ich muß an die Gefährtin von Fabien denken, die Saint- Exupery imNachtflug schildert.

Meine Gedanken schlagen nun eine andere Richtung ein. Ich mache mir Vorwürfe, den doch ganz klar gegebenen Befehl von Henri Frenay nicht befolgt zu haben: nach dem Alarm des letzten Monats hatte er mich als Ersatz für Tristan*) nach Montpellier schicken wollen, der selber gezwungen war, sich ins Maquis zu schlagen. Aber wie soll man aus dem täglichen Leben verschwinden, wenn man sieben Bälger am Halse hat? *) Deckname für P.H. Teitgen in der Untergrundarbeit.

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