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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
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Straße Froibeif zuisdlion Stochaldeuht

Dokument hohen menschlichen Geistes und der Seelenstärke von Edmond Michelet

Die Erfahrung, die wir durchleben muß- ten, ist unauslöschlich. Sie hat uns für den Rest unserer Tage gezeichnet. Von ihr haben wir alle Narben zurückbehalten, die man nicht alle sieht. Weder gesund noch heil, ein bedrückendes Wort! Und es ist wahr, ich will das noch einmal sagen. Wir haben Ab- gründe kennengelernt, in uns selber und bei den anderen. Ein gewisser guter Glaube des Herzens bleibt uns auf immer versagt.

Edmond Michelet, französischer Jurist, Justizminister der V. Republik unter Gene- ral de Gaulle, zieht mit diesen Sätzen das Fazit seines Erlebens im Konzentrations- lager Dachau. 1943 war er, der aktive Katholik, der sich der Widerstandsbewe- gung angeschlossen hatte, in Frankreich festgenommen worden und nach monate- langem Warten, nach endlosen Verhören nach Deutschland transportiert worden. Schon auf dem Weg nach Dachau erleben die Häftlinge Luftangriffe und hören von der Kapitulation Italiens. Sie glauben, daß der Krieg nur noch wenige Monate dauern kann, aber sie, die die Haft überleben, müssen bis zum Frühjahr 1945 warten.

Die Freiheits-Straße hat Michelet sein Buch genannt, das in der deutschen Über- setzung von Graf Henckel von Donners- mark und mit einem Geleitwort von Bundeskanzler Adenauer von derEu- ropa-Contact-Gesellschaft herausgebracht wurde. Die Freiheitsstraße war die Straße zwischen den Blocks in Dachau.Eine Art Sanatorium wurde den Häftlingen erklärt, im Vergleich zu anderen Konzentrations- lagern.. Dort stoßen sie zu anderen Wider- standskämpfern, aber auch zu Collabora- teuren, die.-aus einem anderen Grund de- portiert wurden, sie treffen auf Deutsche und Polen und auf alle die zahllosen Ge- fangenen der anderen Nationen. In seinem

Vorwort zur deutschen Ausgabe betont der Verfasser seine Absicht, ohne Haß zu schrei- ben, die auch der Inhalt dieses Buches immer wieder bestätigt. In ihm offenbart sich Michelet als einer jener großen Men- schen, deren Vorbild vielleicht die christ- lichen Märtyrer waren, die auch in tiefster Not und Erniedrigung standhaft blieben. Ein Dokument hohen menschlichen Geistes und Seelenstärke könnte man das Buch nennen, in dem menschliches Leid in jeder Form geschildert wird, nicht als Ausdruck des Hasses oder der Verachtung, sondern als Schicksal der einzelnen und auch der Völker.

Ma.