sollen schon morgen, sagt man, in das SS-Lager kom- men, um dort von amerikanischen Ärzten versorgt zu werden. Aber man wird zweifellos einige Ärzte unter den Deportierten brauchen. Ich bitte ausdrücklich darum, einer dieser Ärzte zu sein und die Kranken im Lager weiterzupflegen, selbst wenn es die Stunde mei- ner Heimkehr bis zur Abreise des letzten kranken Franzosen verzögern sollte.“
Ich antwortete auf diese Botschaft, die vertraulich blei- ben sollte— die Bescheidenheit von Bohn war sprich- wörtlich—, daß ich auf meine französischen Doktors ordentlich stolz sei und daß ich eines Tages dieses Zeugnis ihrer bewunderungswürdigen Haltung ver- öffentlichen würde. Dies ist hiermit geschehen.
Henri Frenay leitete in Paris mit gutem Erfolg die rasche Heimführung von Hunderttausenden von Kriegsgefan- genen und Arbeitsdienstverpflichteten und von Zehn- tausenden von Deportierten. Er bat mich zu sich, um ihm zu helfen, die Kommunisten in Schach zu halten. Es war einleuchtend, daß diese nicht damit einverstanden waren, sich sozusagen das Brot zwi- schen den Zähnen herausziehen zu lassen dadurch, daß die dringendsten Anlässe zu Beschwerden, welche sie bei den zwölfhunderttausend heimkehrenden Fran- zosen kräftig ausnutzen wollten, in Fortfall kamen. Sie führten gegen Frenay eine unanständige Kampagne schwärzester Ungerechtigkeit. Die Genossen vom„Agit- Prop“ hatte ich in den Tagen am Werk gesehen, da die kommunistischen Abgeordneten von der Delegation der Beratenden Versammlung uns besuchen kamen. Verärgert, daß sie aus einer nicht bestehenden Unzu- friedenheit kein Geschäft machen konnten, hatten sie sich zurückgezogen und das Feld uns überlassen. Nun konnten wir also endlich daran denken, nach Hause zurückzukehren mit der Mannschaft, die bis zum Ende bei meinen Kameraden vom Komitee und mir in treuer
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