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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
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sie gestern abend eingesperrt hatte, sicher hinter Schloß und Riegel waren.

Auboiroux verhehlte mir nicht, daß diese Lauheit in der Durchführung der Reinigungsarbeit mich bei seinen Parteikameraden in sehr schlechtesLicht bringen würde. Ich muß gestehen, daß ich tatsächlich in den Augen mindestens einiger von ihnen aufgehört hatte, ein wirklicher Widerstandskämpfer zu sein, als ich diese üblen Burschen nicht ohne jedes Gerichtsverfahren hatte erschießen lassen.

Diesen Zwischenfall hatte ich vergessen. Die Quaran- täne lief weiter, unterbrochen durch die Besuche zahl- reicher angesehener französischer Persönlichkeiten, die sich über die Gründe, die unsere Rückkehr verzögerten, unterrichten wollten. Als der Augenblick kam, das Lager aufzulösen, bat ich die Kameraden, die Räume der SS-Kaserne in einem anständigen Zustand zu er- halten. Wir hatten uns schließlich auf Grund eines Vor- stoßes von General Leclerc dorthin verlegen lassen und machten sie jetzt für die Russen frei, die dort ihre Heim- beförderung abwarten sollten.

Da die Säuberungsarbeiten mir ungenügend erschienen und uns bei unseren Nachfolgern in schlechtes Licht bringen konnten, ordnete ich an, daß das, was noch an Waffen-SS im Gefängnis da war, zum Reinigen und Aufräumen geholt würde. Ich muß gestehen, daß ich sie schon zu Hilfe geholt hatte, um die Typhus-Kranken zu versorgen. Sie waren mit viel gutem Willen an ihre Aufgabe herangegangen. Deswegen hatte ich ihnen ver- sprochen, dies als mildernden Umstand den Richtern zu unterbreiten, vor denen sie sich unentrinnbar bei ihrer Rückkehr zu verantworten haben würden. Die Waffen-SS-Leute kamen nach Abschluß der Arbeit zu mir. Ich sehe sie noch die Totenkopfmützen, die sie wie Narrenkappen immer noch trugen, linkisch in den Hän- den drehen. Sie wußten nicht recht, wie sie mit dem,

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