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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
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Die Geschichte der Waffen-SS-Leute von der Legion Karl der Große illustriert am besten eine der weiteren Schwierigkeiten, die uns nach unserer Rückkehr er- warteten. Des Morgens am Tage nach der Befreiung kam Germain Auboiroux im Auftrage seiner kommu- nistischen Kameraden zu mir, um mich zu fragen, was ich mit den französischen Nazis, die sich im Lager be- fänden, zu tun gedächte. Er meinte damit diese unglück- lichen Entgleisten, die, nachdem sie sich zur Waffen-SS gemeldet hatten, desertiert und mit belgischen, hollän- dischen und norwegischen SS-Kameraden in den Tagen vor der Befreiung in Dachau gestrandet waren.

T. hat die seinen schon erschießen lassen, sagte er und spielte dabei offenbar auf die Gruppe an, die ich am Morgen dumpf ergeben hatte vorbeimarschieren sehen. Die Hände im Nacken, gingen sie in dieRichtung des eingezäunten Platzes am Krematorium, wo schon am Abend vorher Rechnungen beglichen worden waren, was ich persönlich mißbilligte.

Ich anwortete Auboiroux, daß es mir weder der Würde noch dem Anstand zu entsprechen scheine, Franzosen, und seien es Waffen-SS-Leute, dem weltlichen Arm der Amerikaner auszuliefern. Diese würden unsere Leute einfach durch die Montenegriner umbringen lassen, die sich speziell für diese Zwecke zur Verfügung gestellt hatten. Sie verlangten nichts Besseres, als weitere Schuß- ziele zu bekommen, so wie sie es schon mit ihren Lands- leuten gehalten hatten, die Anhänger von Michailo- witsch waren. Ich fügte hinzu, daß wir hier vor den Augen von ganz Europa, das auf uns schaue, nicht das traurige Schauspiel unserer inneren Zwistigkeiten geben sollten. Aber ich teilte ihm mit, daß ich fest ent- schlossen sei, diese Verräter an ihrem Vaterland den französischen Strafbehörden zu übergeben, sobald wir die Grenze überschritten haben würden. Ich überzeugte mich dann, daß sie alle in dem Ehrenbunker, wo man

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