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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
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serven und, um das Ganze abzurunden, einige Flaschen französischen Weines aus den Kellern der Nazichefs. Wir hatten natürlich diese Reichtümer nicht ausschließ- lich für uns behalten, sondern die Kameraden der an- deren Länder mitbeteiligt. Sie hatten uns in dem Bulle- tin, das das Internationale Komitee veröffentlichte, um allen Nationalitäten mit den Tagesnachrichten die Wei- sungen des amerikanischen Kommandanten bekannt- zugeben, ihren Dank dafür ausgesprochen. Der ameri- kanische Kommandant nahm die Ankündigung des Erfolges übel, den Leclerc und de Lattre dadurch hatten, daß sie das Lager 48 Stunden vor Eintreffen der Last- wagen der amerikanischen Armee versorgten. Der für die Franzosen Verantwortliche wurde wie ein Schwer- verbrecher zum General zitiert. Er mußte die formelle Versicherung abgeben, daß ihm jeder Gedanke einer hinterhältigen Propaganda ferngelegen habe, als er sich entschloß, die von unseren Generalen geschickten Lebensmittel allgemein verteilen zu lassen. Sodann wurde eine Erklärung abgegeben mit der Auflage, sie im Informationsbulletin des nächsten Tages zu ver- öffentlichen. Sie enthielt die Mitteilung, wenn franzö- sische Soldaten tatsächlich Lebensmittel geliefert hätten, so seien diese Lebensmittel aus Beständen der amerika- nischen Intendantur gekommen und außerdem noch auf Lastwagen der amerikanischen Armee transportiert worden.

Soweit ging man doch nicht, zu behaupten, daß die Flaschen Chateäu-Margaux oder Vosne-Romanee, die bei Göring oder Hitler gefunden worden waren, ameri- kanische Importware seien. Aber ein Untersuchungs- richter wurde eingesetzt. Es war Oskar Juranic, ein Jugoslawe, der später sehr übel bei Tito enden sollte. Vor diesem mußte schließlich der unglückliche franzö- sische Delegierte seine Erklärungen abgeben.

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