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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
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nalen Komitees vom 30. April. In seiner Trockenheit kennzeichnet es die Lage:In den geschlossenen Blocks häufen sich immer mehr unbekannte Tote. Die ver- antwortlichen Kameraden müssen in jedem nur irgend möglichen Umfang die Identifikation der Leichen sicher- stellen. Dieser Dienst muß natürlich ohne Rücksicht auf die Nationalitäten geleistet werden. Soweit be- kannt, müssen die Namen der Sterbenden oder im Koma Liegenden mit Tintenstift auf die Brust geschrie- ben werden.

Der Anblick, den das Lager damals bot, wird jedem, der es besucht hat, im Gedächtnis bleiben. Um die Leichen- berge, die sich in den Alleen der Blocks häuften, weg- zuräumen, nahmen die Amerikaner die Einwohner der Gemeinde Dachau in Anspruch. Wir sahen diese Bauern mit ihren Gespannen völlig entsetzt ankommen. Mehr als eine Woche lang transportierten sie die furchtbaren Frachten zu einer riesigen Sammelstelle in der Nähe. Später, als die erste Säuberungsarbeit zu Ende war, sah man, wie ein Zeichen der Beendigung des Alptraumes, die länglichen Kisten wiederkommen, die vertrauten sympathischen Särge, in denen wir endlich unsere letz- ten Toten würden ehrenvoll bestatten können.

Eine unbedeutende, aber typische Einzelheit wird zei- gen, wie sehr wir Franzosen uns zur Wehr setzen mußten gegen die übertriebene Bescheidenheit, zu der unsere Befreier uns drängen wollten.

Unter den ersten Besuchern des Lagers war der General Leclerc zu uns gekommen, dann die Generale Guil- laume und Devinck, letztere als Abgesandte von de Lattre, der damals in Berlin unabkömmlich war. Es fehlte an allem. In einer ebenso großherzigen wie natürlichen Geste hatten der Befehlshaber der 2. Panzer- division ebenso wie der der ı. französischen Armee Lastwagen mit Lebensmitteln geschickt, Bisquits, Kon-

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