pellplatz organisiert. Nie ist mir eine Massenkund- gebung ergreifender erschienen. Der langsame Zug dieser Riesenschar überlebender Europäer, die an der Grenze ihrer körperlichen Widerstandskraft waren, in alphabetischer Reihenfolge ihrer Länder hinter ihren nationalen Fahnen versammelt, das war wirklich ein ergreifender Anblick, den die bei dieser Gelegenheit entfaltete kommunistische Propaganda nicht abschwä- chen konnte. Für die Deutschen war als Reinigungs- geste eine Ausnahme beschlossen worden. Statt ihnen ihren Platz zu lassen, den sie auf Grund der internatio- nalen Schreibweise unter A(Allemagne) gehabt hätten, wurden sie symbolisch an das Ende des Zuges ver- wiesen. Ich muß sagen, daß das Erscheinen dieser Hand- voll unbeugsamer Überlebender von zehn unbeschreib- lichen Jahren doch den Gedanken nahebrachte, diese Stellung zu berichtigen, was immer auch die Gefühle sein mögen, die die Inschrift auf dem roten Spruchband eingab, hinter dem sie marschierten:
„Gedenken an unseren Thälmann.“
Unsere französischen Kommunisten waren ebenfalls auf den Gedanken gekommen, werbende Spruchbänder zu zeigen. Ich glaube sogar sagen zu dürfen, daß die Texte sorgfältigvon dem geheimen Apparat ausgewählt waren, der von diesem Augenblick an das Lager in die Hand zu bekommen suchte. Ich erinnere mich meines maßlosen Erstaunens, als ich in dieser Weltuntergangs- szenerie den Kameraden Neveu ein Spruchbanner ent- rollen sah, auf dem stand:„Immer einig gegen den Faschismus.“
„Aber ist er denn nicht tot?“ bemerkte ich und wies auf das Schauspiel, das sich uns zeigte und auf die Leichen der letzten SS-Leute, die im Kanal trieben.„Was brau- chen Sie denn noch mehr?”
„Und Franco?“ erwiderte Neveu schroff. Ich mußte zu meiner Schande gestehen, daß ich in der Freude der
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