lich dafür. Unterdessen hatten die Polen eine Menge von Fahnen in den Farben ihres Landes aufgezogen. Sie hatten sie in den vorhergehenden Tagen heimlich in den Kommandos hergestellt, in denen sie arbeiteten. Das Lager war im Handumdrehen ein bewegter Wald von Wimpeln, Standarten, Flaggen und Fahnen gewor- den. Die Abzeichen der anderen Länder, der großen und der kleinen, ertranken schnell in dieser Flut. Eine an- dere Schwierigkeit zeigte sich bei der zweiten Zusam- menkunft des internationalen Komitees. Der ausge- zeichnete amerikanische General verstand nicht, daß es uns unerträglich war, seine eigenen Dolmetscher nur auf Deutsch zu den Zehntausenden von Männern sprechen zu hören, für die diese Sprache das Symbol der kaum überwundenen Sklaverei war. Wir brachten ihn dazu, die englische und die französische Sprache zur Durchgabe seiner Weisungen zuzulassen. So standen wir innerhalb von weniger als 24 Stunden vor den Schwierigkeiten, denen de Lattre in Berlin und Bidault in San Franzisco zur gleichen Zeit begegneten.
Bald begannen die Petitionen in das Büro der inter- nationalen Kommission zu strömen, die in Permanenz tagte. Die baltischen Kameraden des Lagers, Litauer, Letten und Esten, verlangten eine Vertretung im Komi- tee. Aber der russische General machte aus ihrer Nicht- zulassung eine Grundsatzfrage, da es ja auf der ganzen Welt bekannt sei, daß die Balten russische Staatsbürger seien. Diesem bedingungslos vorgetragenen Argument gab der amerikanische General nach. Zur gleichen Zeit aber entschlossen sich die Sieger in San Franzisko, die Fiktion einer Souveränität der Ukraine und Weiß- rußlands anzuerkennen und ließen beide, ohne mit der Wimper zu zucken, in das Kollegium der Vereinten Nationen zu.
48 Stunden nach der Befreiung war das Fest des ı. Mai. In aller Eile wurde ein Riesenaufmarsch auf dem Ap-
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