XXI
Jetzt aber beginnen die Schwierigkeiten
Die kurze, sechs Wochen umfassende Geschichte der autonomen Republik Dachau unter amerikanischem Protektorat festzuhalten würde sich wohl nicht lohnen, gäbe sie nicht im kleinen Maßstab eine treue, ge- kürzte Fassung von Schwierigkeiten der ganzen Welt wider. Einige davon bestehen offenbar auch heute noch weiter.
Am Morgen des Tages nach der Befreiung kam eine Gruppe von Kameraden unter der Führung von ME£ret, um mich im Franzosenblock 24 zu wecken und mir ihr Befremden auszudrücken. Die Trikolore wehte nicht an der Seite der Fahnen von Großbritannien, Rußland und China, die jetzt neben dem Sternenbanner flatter- ten. Sicherlich, wir hatten von den„großen Vier“ reden hören. Aber in unserer Harmlosigkeit hatten wir ange- nommen, daß wir der vierte wären. Wenn die Russen zweifellos Anspruch auf ihre Fahne hatten und die Engländer auch, so hätte man in Dachau nur schwer einen einzigen Chinesen finden können. Im Gegensatz dazu hatten Tausende von französischen Kämpfern hier ein dunkles, erbärmliches Ende gefunden, glanzlos, weit entfernt von den großen Beisetzungsfeiern, die Peguy für die Toten eines gerechten Krieges forderte. Schließ- lich schien uns das freie Frankreich eine gewisse Aner- kennung durch seine Alliierten zu verdienen. War es nicht in einem Krieg an ihrer Seite im Kampf geblieben, in einem Krieg, der aus vielen Gründen für Frankreich zehnmal grausamer gewesen war als für andere. Ich bemühte mich, diese Gründe dem amerikanischen General klarzumachen, der die Obhut des Lagers über- nommen hatte. Ich muß sagen, er schien wenig zugäng-
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