gen hat. Die SS-Leute haben uns also uns selbst über- lassen. Sie haben das Lagertor hinter sich geschlossen und gehen den amerikanischen Truppen entgegen. Gegen Mittag ist auf dem Dach ihres Gebäudes auf der anderen Seite des Umfassungskanals die weiße Fahne gehißt. Vor der Türe, aber auf der Innenseite, gestiku- lieren zwei nackte Gespenster, nur mit einem Tuch be- deckt, und flehen die letzten SS-Leute an, sie mitzu- nehmen. Es sind zwei Deutsche, ein ehemaliger Lager- ältester und der Kapo der Polizeihunde, die die Alten seit langer Zeit vorgemerkt hatten. Sie vergehen vor Angst beim Gedanken an die Rechenschaft, die sie dem- nächst werden geben müssen. Um sie an der Flucht zu hindern, haben ihnen die Alten vom Lager ihre Klei- dung weggenommen. Das Warten dauert lange.
Die beiden gespenstischen Gestalten irren hin und her, heulen und winseln weinend vor einer riesigen leeren Bühne. Der Kanonendonner kommt näher; man hört das Knattern der Maschinengewehre. Endlich, um fünf Uhr dreißig nachmittags, bricht das Tor.
Vorhang.
Die Tragödie geht zu Ende. Vor der nun folgenden Ope- rette läuft noch ein Film. Der erste amerikanische Soldat, der bei uns erscheint, in jeder Hand einen schweren Revolver, ist eine Karikatur aus dem„Stür- mer“, ein richtiger Semit, dicke Lippen, Bananennase, krauses Haar. Er sprengt das Schloß und läuft auf uns zu. Niemand hat gegen diese Art moralischer Wieder- gutmachung etwas einzuwenden. Nach allem, was ge- schehen, hatten wohl die Juden Anrecht auf diese symbolische Anerkennung. Der Mann stellt sich vor: Samuel Kahn. Nun gut, das ist in Ordnung. Nach ihm folgt sogleich ein zweiter G.I. Auch er stürzt auf unsere Gruppe zu. Diesmal aber stellen wir beim näheren Zusehen fest, daß der Soldat ein blondes Girl ist, ein
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