chen neben dem SS-Totenkopf auf der Schulter stolz zur Schau. Zum Glück für unser Prestige waren die Pakete des Roten Kreuzes vor ihnen angekommen. Auboiroux kann sich nicht beruhigen. Er möchte diese französi- schen SS-Leute in den Block der deutschen Prominenten schicken. Leider liegt das nicht in unserer Macht.
Ein anderes Bild kommt mir in Erinnerung, eines der eindrucksvollsten dieser letzten Wochen. Citron und ich waren eines Abends unterwegs in der Allee, die am Ende des Lagers am Kaninchenkommandbo entlanggeht. Im vergangenen Jahr war ich mit meinen Schülern, den polnischen Pfarrern, oft dort entlanggegangen.
Der bisher blaugraue Himmel stimmte endlich in die Szene ein. Vom Westen her kam der Lärm von Panzern und Artilleriefeuer immer näher; dort riegelte ein pur- purroter Streifen das ab, was wir vom Horizont er- blicken konnten. Eine wagnerische Szenerie, ein Bild aus der Apokalypse. Wir bewegten uns jetzt in einem Laufgraben, der durch eine doppelte Reihe aufein- andergehäufter Leichen entstanden war. Auf ihren Wachttürmen schoben die SS-Leute die letzten Stunden eines Dienstes, der seit zehn Jahren dauerte. Sie ließen ihre Raubvogelaugen über den unruhigen Ameisen- haufen kreisen und ebenso die Mündungen ihrer Maschinengewehre, die bereit waren, beim geringsten Anzeichen einer gemeinsamen Unternehmung in Tätig- keit zu treten.
Da dringt merkwürdiger Gesang zu uns: eine Mischung von Kriegs- und Kirchenlied. Die Klänge kommen näher. Wir verstehen die Worte. Citron erkennt ein Marschlied der Nazijugend. In dieser schwarz-roten Dämmerung ist der Eindruck ergreifend. Die letzten SS-Rekruten kommen vom Exerzieren zurück. „Geben wir es zu“, sagt Citron,„dieser Zusammen- bruch hat doch in seiner Art etwas Großartiges.“
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