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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
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schiedslos hierhergebracht, wo als Vorsichtsmaßnahme der letzten Stunde der Lagerführer ihre Verteilung ge- nehmigte. Ehrlich gesagt: sie kamen gelegen.

Nun aber werden die Ereignisse sich überstürzen. Mehr- mals am Tage sieht man jetzt die glückverheißenden Geschwader in Richtung München am Himmel. Von Westen her glaubt man in gewissen Augenblicken schon das Donnern der Geschütze zu hören. Das Herz schlägt schneller in der Brust. Aber vor dem Ende er- warten uns noch Erschütterungen. Manche Vorzeichen werden uns darauf hinweisen.

Zuerst hörte man Unbestimmtes von einer Räumung des Lagers in Marschrichtung nach der Gebirgsfestung Tirol. Die Nachricht muß nicht ganz falsch sein; Citron, der aus den Gesprächen, die die SS-Leute unter sich führen, alles aufsammelt, bestätigt sie uns. Zum ersten- mal sehe ich, daß Citron besorgt ist. Das ist ein schlech- tes Vorzeichen. Der alte Pfarrer Goldschmidt vom Block 26, der auch ein feines Ohr hat und im selben Kommando arbeitet, bestätigt die Nachricht ebenfalls. Noch mehr: ein erstes Kontingent von 2000 bis 3000 Russen wird plötzlich auf dem Appellplatz versammelt und mit unbekanntem Ziel in Marsch gesetzt. Es wird nicht lange dauern, bis wir das Schicksal dieser Un- glücklichen erfahren.

Nun sind die 25 ooo anderen Häftlinge dran und stehen auf dem Appellplatz. Düstere Gerüchte kommen in Umlauf: sie werden uns mit Flammenwerfern umbrin- gen und dann das Lager in Brand stecken! Wir werden in unsere Blocks zurückgeschickt. Am nächsten Morgen spielt sich das gleiche ab. Es ist anzunehmen, daß die Verwirrung bei den SS-Leuten zunimmt. Vor dem nahenden Ende wissen sie nicht, für welche Seite sie sich entscheiden sollen.

Unterdessen dauert die Überschwemmung des Lagers

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