und Nächstenliebe. Als er mich verließ, schob er mir eine Bibel zu, die ihm P. Maydieu, ein treuer Freund und nicht minder treuer Mitverschworener, für mich gegeben hatte; er versprach mir, nächste Woche wieder- zukommen. Dann tat er, als ob er weggehen wollte, aberzurückkehrend hauchte er mit nochleisererStimme: „Wir wollen zusammen ein letztes Ave Maria ver- richten.”
Wir hatten uns hingekniet und drehten dem Feld- webel den Rücken vor dem kleinen rohen Tisch, der als Altar gedient hatte. Er fuhr mit der gleichen mono- tonen Stimme fort:„Ave Maria, gratia plena... Ihre Frau hat mich gestern aufgesucht; es geht ihr sehr gut und Ihren Kindern auch... dominus tecum... sie läßt Ihnen sagen, Sie sollen sich keine Sorgen machen, es geht alles gut zu Hause... benedicta tu in mulieribus.“
So setzte Abbe Stock während der ganzen Besatzungs- zeit das Gebot seines Meisters in die Tat um.„Ich war im Gefängnis und Ihr habt mich besucht.“ Nach der Befreiung blieb er in Frankreich und diente seinen kriegsgefangenen Landsleuten ebenso.
Einige haben seine Wortkargheit und seine fast ehr- fürchtige Scheu— die er übrigens mit allen seinen Landsleuten teilte— vor allem, was streng verboten war, nicht immer verstanden. Man sollte aber doch die ungeheure Schwierigkeit seiner Aufgabe beachten. Abbe Franz Stock hatte, weil er Deutscher war, nur noch größeres Verdienst, sein Amt mit dieser Zurückhaltung auszuüben. Sie verlieh den zahllosen Hilfen, die er uns unter Gefährdung seines Lebens gab, um unser Leben retten zu können, einen besonderen Wert. Be- greift man, welch umsichtige Kühnheit von einem Deutschen wie ihm gefordert war, um auf diese Weise die weltlichen Hilfen, die er uns zuteil werden ließ, mit der Ausübung seines Priesteramtes zu verbinden? Er
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