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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
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er herein. Es war ein Samstag. Ich war zunächst be- troffen über seine Zurückhaltung. Während die Wäch- ter gewöhnlich brüllten, wenn sie gelegentlich in unsere Zellen kamen, schlüpfte er schweigend herein und schmiegte sich ganz dicht an uns, als ob er durch diese Geste zeigen wollte, daß er seinen Anteil an unserem Häftlingsleben haben wollte.

Ich hatte, als ich nach Fresnes kam, einen Seelsorger verlangt, mir aber niemals vorgestellt, daß man mir einen deutschen schicken könnte. Ich war daher sehr enttäuscht, als ich diesen blonden Kleriker sah, der mit seinen schmalen Lippen allzu gut dem klassischen Bild eines Herrn Doktor entsprach, der soeben sein Theo- logie-Studium beendet hat. Er sprach ein sehr korrektes Französisch, so korrekt leider wie das meines Gesprächs- partners in der Avenue Foch.

Ich war tief enttäuscht, und das zweifellos sichtbar, denn Abbe Stock begann zunächst einmal, sich zu ent- schuldigen. Ich bemühte mich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und versuchte, die Chance der Katho- lizität der Kirche wahrzunehmen, mit der man mich hier überrascht hatte. Ich sprang also ins kalte Wasser und bat ihn, mir zu bestätigen, daß die Verheimlichung der Wahrheit in einem bestimmten Fall erlaubt sein könnte, zum Beispiel, wenn man Haut und Haar vor einem Gericht zu verteidigen hätte.Natürlich, ant- wortete er,das ist klar. Wir sprachen leise, denn der Feldwebel war an der halbgeöffneten Tür stehen ge- blieben. Ich erfuhr, daß auch Abbe Stock auf seine Art einRoter Christ war. Er hatte gleich nach dem ande- ren Krieg an Friedensversammlungen teilgenommen, die Marc Sangnier in Bierville organisiert hatte. Er sprach von Joseph Folliet, von den Gefährten des Hei- ligen Franziskus, von gemeinsamen Freunden in der Jeune Republique. Dieser deutsche Priester versah sein Amt mit unglaublicher Freundlichkeit, mit Takt

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