Hinter dem Schreibtisch, an dem der Vernehmungs- offizier in den Akten blätterte, warf ein Spiegel das Bild eines seit drei Wochen unrasierten Stromers zurück mit viel zu langem Haar und ohne Krawatte im Kragen: das eigene Gesicht.
Der andere bemühte sich je nach Tageslaune, mit Freundlichkeit zu operieren oder durch Gewalt einzu- schüchtern. Manchmal blätterte er mit gespielt gleich- gültigem Ausdruck in den Papieren, die er vor sich hatte, und summte eine Melodie. Ich für meinen Teil werde mich bis ans Ende meiner Tage dieser Melodie des Hindu-Liedes von Rimskij Korsakow erinnern. Nicht alle Unterhaltungen liefen so musikalisch ge- dämpft ab. In diesem früheren Empfangssaal, der nun- mehr als Raum für die Verhöre diente, stand in einer Ecke ein Tisch mit seltsamen Gegenständen, auf die man einen verstohlenen Blick warf. Der merkwürdige Anblick machte einen eigenartig unruhig. Es war jedoch besser, die Neugierde nicht zu befriedigen.
Ein anderes Mal war es die rue des Saussaies, wohin ich zuerst gebracht wurde, ein öder Aufenthalt. An jenem Morgen hatte ich lange, sehr lange warten müssen, ja wirklich, sehr, sehr lange Zeit in einem engen, dunklen, kleinen Loch; die Wände blutbefleckt, mit entmutigenden Inschriften. Man kam mich holen, um mich wieder in die Avenue Foch zu bringen, wo offenbar die Untersuchung dieser Combat-Sache weiter- geführt werden sollte. Ich erklärte mich mit Recht und nachdrücklich vollkommen unbeteiligt.
Die Fahrt im offenen Wagen durch die von allen zarten Farben des Frühlings durchflutete Stadt wäre zauber- haft gewesen. Schade, daß es so schwierig war, die allzu eng um die Gelenke gespannten Handschellen zu vergessen, und daß es nicht gelang, diese Schupos zu übersehen, deren Finger wirklich sehr nahe am Abzug waren.
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