1085 snes, yofes ırde. n.der
es dank der Gerissenheit meines Vorgängers möglich war, eine der trüben Scheiben des Fensters auszuheben. Dieser Vorteil gestattete es mir, in den ersten Tagen die Namen meiner Kameraden in die öde Leere des riesigen Innenhofes zu rufen, aber tiefstes Schweigen war die Antwort. Verzweiflung und Elend des Men- schen allein! Siehe den Ecclesiastes!
Nun ist auch ein Monat vergangen, seit ich die hohe, etwas gebeugte Gestalt des guten Chadirat um die letzte Ecke des Ganges habe verschwinden sehen und die kleinere gedrungene von Pradaud und den runden Rücken von Perrier und alle anderen. Welches Vor- gefühl mag es wohl gewesen sein, das Abbe Lair dazu trieb, jeden einzelnen von uns in die Arme zu schlie- ßen, während der Wächter bei den Eintragungsformali- täten schon ungeduldig wurde.
Dreimal habe ich während dieses nicht endenden Monats früh am Morgen mit jedesmal erstarrendem Herzen einen Schlüssel im Schloß gehört. Dann hat der Feldwebel gebrüllt:„Los, los! Tribunal!“ Das erste Mal mußte ich mich in der Avenue Foch 84 erklären. Der Transport hatte in einem von den„Salatkörbe“ ge- nannten Fahrzeugen stattgefunden. In diesen Käfigen wurden gewöhnlich die Verhafteten zur Vernehmung befördert. Durch die Gitter schien ein bezaubernder Frühlingin unbeschreiblichem Licht. Beim Vorbeifahren am Arc de Triomphe, wo der unbekannte Soldat ruht, hatten wir spontan die Kopfbedeckung abgenommen und die Frauen das Kreuzzeichen gemacht. Das hatte natürlich zusätzlichen Ärger zur Folge, aber wir waren trotzdem zufrieden. Wir hatten Stellung bezogen. Durch das halbgeöffnete Fenster des Raumes in der Avenue Foch, wo das unangenehme Zwiegespräch statt- fand, sah man junges Grün und Blumen. Niemals, nie- mals hatte das blasse Blau, das Perlengrau dieses Him- mels von Paris zärtlicher geleuchtet als in diesem Jahre.
31


