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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
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44 Zweites Kapitel

19352 habe ihn Hitler zu sich befohlen, um seine Meinung über das dicht vor der Verabschiedung stehende Gesetz zu hören. Er habe eben diese Einwände vorgetragen und stark betont, daß gerade in einem autoritären Staat die Verwaltung»nach unten elastisch abgefedert sein müsse« durch eine echte Selbstverwal- tung, in der die Staatsbürger an der öffentlichen Verantwortung sich beteiligten; andernfalls gäbe es nur ein stumpfes Befehlen und Abwarten, ein gefährliches Abschieben der Verantwortung nach oben. Diese letzte Vorhaltung mag Hitler für den Augenblick eingeleuchtet haben. Er selbst hatte sich(wie Jeserich berichtet) in den ersten Vorbesprechungen durchaus geneigt gezeigt, dem Gemeinderat ein Beschlußrecht einzuräumen. Jetzt meinte er, »man könne dem Bürgermeister Auseinandersetzungen mit den Stadtverordneten nicht zumuten, dazu verstünden die neuen Leute zu wenig«. Im übrigen suchte er, seinem Partner grundsätz- lich zustimmend, ihn zugleich durch eine Schmeichelei zu gewin- nen: Leider habe er zur Zeit nicht genügend zur Selbständigkeit erzogene Männer, dieihm(Goerdeler) gleichwertige Oberbürger- meister sein könnten.» Also müsse er die Ratsherren von der Par- tei auslesen lassen und müsse auch dem Staat einen starken Ein- fluß bei der Bestallung der Oberbürgermeister vorbehalten.« Im- merhin sollte die Staatsaufsicht eingeschränkt werden. Sogleich wurde Frick zitiert und erhielt, ohne daß seine Einwendungen beachtet wurden, strikte Weisung, den Entwurfentsprechend den Wünschen Goerdelers umzuarbeiten. Dieser selbst wurde zum Frühstück geladen und konnte in den am Nachmittag durch- geführten Kommissionsberatungen seine Wünsche zu Gehörbrin- gen. Dabei stieß er freilich auf zähen Widerstand des Innenmini- steriums, das dann auch eine wesentliche Abschwächung seiner Forderungen(nach Neufassung der Artikel über Staatsaufsicht) durchsetzte. Immerhin hat Hitler(wie Dr. Jeserich und Graf Schwerin-Krosigk sich erinnern) in der entscheidenden Kabinett- sitzung(damals wurden solche noch abgehalten!) verlangt, daß zu Gemeinderäten nicht etwa nur Parteimitglieder oder Mitglieder von Parteiorganisationen, sondern auch»gewöhnliche Volks- genossen« bestellt werden könnten, ja sogar sollten.

Wenn das alles richtig ist, dann hätte Hitler damals noch.ein Gefühl dafür gehabt, daß seine Parteigefolgschaft nicht für alle Verwaltungsposten sich eignete, am wenigsten in dertechnisch so komplizierten Verwaltung moderner Großstädte. Vielleicht hat er sich gescheut, seine Partei mit allzuviel Verantwortung auch in dieser(politisch relativ belanglosen) Sphäre zu beladen? Goer- deler aber konnte den Eindruck haben, daß auf diesem Gebiet

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