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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
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Bürgermeister und Kommunalpolitiker 45

sein Wort etwas galt.°® Und er hat noch bis zuletzt gemeint, das Gesetz von 1935 würde sich durch wenige einfache Änderungen in Ordnung bringen lassen.

Indessen: die von ihm gerügten Mängel betrafen gerade den zentralen Punkt, und so hat er schließlich 1944 rückblickend fest- stellen müssen, daß die Gemeindeordnung von 1935 vollkommen fehlgeschlagen sei:»Das Gemeindeleben ist verödet, die Selbst- verwaltung tot, die Bürger kennen kaum noch die Namen ihres Bürgermeisters, geschweige denn die von der Parteiernannten, im Verborgenen blühenden Gemeinderäte.«®? So pessimistisch hatte er 1936/37 noch nicht geurteilt, als er seine Artikel über kommu- nale Wirtschaft schrieb. Gleichwohl waren auch sie schon Aus- druck seiner Opposition: sie waren als indirekte Kritik an der Staatswirtschaft Hitlers gemeint, und zur Zeit ihres Erscheinens hatten die Kommunalpolitiker schon manche Enttäuschung er- lebt. Schon seit 1935 war der Vorstand des Deutschen Gemeinde- tages mehr und mehr in Gegensatz zur Herrschaft der Staats- partei geraten einfach aus dem Zwang seiner Aufgabe heraus, die Selbstverwaltung durch das System des totalitären Zwangs- staates hindurchzuretten. Die neue Gemeindeordnung als Weg- bereiterin einer neuen politischen Ordnung das war ursprüng- lich die Hoffnung ihrer Begründer gewesen; aber diese Hoffnung erwies sich nur allzubald als eine Illusion.

Gescheiterte Hoffnungen, eine Fülle von Reformbestrebungen, die zuletzt alle Papier blieben so könnte man überhaupt die Summe des hier Berichteten zusammenfassen. Für unser General- thema, die Geschichte der deutschen Widerstandsbewegung, ist ihre Betrachtung gleichwohl unentbehrlich. Denn es zeigt sich, daß die Opposition des Goerdeler-Kreises gegen Hitler nicht iso- liert betrachtet werden darf: sie stand in unmittelbarem Zusam- menhang mit einer älteren, schon in der Weimarer Epoche ent- standenen Reformbewegung und lebte zum großen Teilaus deren Ideen. Nur so erklärt sich, daß so große Teile gerade der höheren Beamtenschaft daran beteiligt waren, nur so auch, daß sie sich so intensiv und hartnäckig mit detaillierten Plänen einer neuen Ver- waltungsorganisation beschäftigten, die nach dem Sturz Hitlers durchgeführt werden sollten, obwohl doch dieser selbst nichts weniger als gesichert war. Es gab Männer unter den Opponenten, die viel ernstlicher als Goerdeler gehofft haben, ein neues autoritä- res System werde jene organisatorischen Reformen durchführen, dieder Weimarer Republik nicht gelungen waren- hier wäre etwa

Fritz von der Schulenburg als Beispiel zu nennen. Ihre Hoffnun-

\ gen mußten noch steigen, als tatsächlich die Präsidialkabinette