Vorrede
Der äußere Anstoß zur Ausarbeitung dieses Buches kam von ver- schiedenen Seiten. Einmal von der mir befreundeten Familie Carl Goerdelers, die dessen überaus reichen schriftlichen Nachlaß, der bald nach Kriegsende aus den verschiedensten Verstecken im In- und Ausland zusammengebracht worden war, in einer Biographie verwertet zu sehen wünschte. Sodann von einem Kreise ehe- maliger Angehöriger der Widerstandsbewegung, der sich unter Führung des Ehepaares Graf Hardenberg zum»Hilfswerk 20. Juli 1944« zusammenschloß— einer Stiftung, die im wesentlichen caritativen Zwecken gewidmet ist, nämlich der Beschaffung und Verteilung von Mitteln zur Unterstützung notleidender Hinter- bliebener nd Überlebender der Widerstandsbewegung. Aufeiner ersten Zusammenkunft dieses Hilfswerks in Hindelang(Allgäu) im August 1947, zu der auch ich eingeladen war, wurde ich ge- beten, mich um die Sammlung sen Orkan mit dem Ziel einer späteren geschichtlichen Darstellung zu bemühen. Ich bin beiden Anregungen gefolgt, weilich die Lösung der Auf- gabe für politisch notwendig hielt.
Die Materialsammlung erwies sich als überaus schwierig und zeitraubend. Wie vorauszusehen, waren schriftliche Dokumente außerhalb des Goerdeler-Nachlasses nur noch sehr spärlich vor- handen. Das meiste war entweder der Gestapo in die Hände ge- fallen oder aus Furcht vor ihrem Zugriff vernichtet, manches auch in seinen Verstecken unauffindbar geworden. Überdies hat über- haupt nur ein verhältnismäßig kleiner Kreis von Mitgliedern der Opposition seine Pläne, Verabtedungen und Erlebnisse zu Papier gebracht. So war ich zunächst in der Hauptsache auf die Samm- lung mündlicher und brieflicher Auskünfte von Überlebenden und Angehörigen angewiesen: ein Quellenmaterial von sehr un- terschiedlicher Ergiebigkeit und Zuverlässigkeit, meist nur mit kritischer Vorsicht zu gebrauchen. Von den nächsten Angehö- tigen und Freunden war in sehr vielen Fällen nicht mehr zu erfah- ten als eine allgemeine Charakteristik der betreffenden Persönlich- keitund ihrer politischen Grundhaltung. Briefe politischen Inhalts sind nur in Ausnahmefällen erhalten. Die wichtigste Unterstüt- zung bei dieser Sammelarbeit fand ich durch meinen ehemaligen Schüler, Dr. Heinrich von zur Mühlen in Berlin. Er hatte im Auf-
trag und mit finanzieller Unterstützung eines Berliner Kreises
(von Zastrow, von Zitzewitz-Muttrin, Frau Leber, Heinz, Dr.
- ‚Reuter u. a.) schon vorher eine Materialsammlung begonnen, die - ‚durch ausführliche, genau präzisierte Befragung von Überleben-


