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den getördert wurde. Leider setzte die Geldabwertung von 1948 dieser fruchtbaren Tätigkeit ein Ende. Ich habe sie indessen auf andere Weise fortsetzen können: durch eine sehr ausgedehnte Korrespondenz, zahlreiche Besuche und persönliche Aussprachen, nicht zuletzt auch durch eine Archivreise, die ich im Herbst 1950 nach dem Staatsarchiv Nürnberg und den Berliner Archiven un- ternahm, Ihr wichtigster Ertrag war eine Reihe von Funden im amerikanischen Document Center in Berlin-Zehlendorf, das mir (wohlals erstem deutschem Forscher) durch die Besatzungsbehör- den zugänglich gemacht wurde, und eine vorläufige Übersicht über den Verbleib der amtlichen deutschen Dokumente der Hit- lerzeit, über denich in der Zeitschrift»Der Archivar«, Jahrgang IVs5 Heft 2, Mai 195 1, berichtet habe. Für die Durcharbeitung der(ge- druckten und ungedruckten) sogenannten Nürnberger Prozeß- materialien standen mir Freiburger studentische Hilfskräfte zur Verfügung, deren Besoldung dankenswerterweisezum Teil diean Goerdelers Schicksal so stark interessierte Firma Robert Bosch übernahm. Bei der Vervollständigung der Materialien aus dem Nachlaß Goerdelers waren mir unter anderen Bundesminister Jakob Kaiser und Dr. Strölin-Stuttgart behilflich. Letzterer er- schloß mir den ersten Zugang zu wichtigen Dokumenten, die Verlagsdirektor Gotthold Müller, einer der Leipziger Freunde Goerdelers, aufbewahrt hatte.
Nach und nach kam so doch eine ganze Menge zerstreuten Quellenstoffes zusammen. Allmählich erschien aber auch immer weiteres wichtiges Quellenmaterial im Druck: Presseartikel der verschiedensten Art, größere und kleinere Memoirenwerke und Spezialstudien, nicht zuletzt eine Reihe amtlicher Aktenpublika- tionen zur Außenpolitik der Hitlerzeit. Ich bin dankbar dafür, daß ich nicht gedrängt war, mein Buch vorzeitig abzuschließen, son- dern die jetzt vorliegende Fülle solcher Publikationen abwarten konnte. Den wichtigsten Quellenfund machte ich erstim Frühjahr 1953, als es mir mit liebenswürdiger Unterstützung des State De- partmentin Washington(Dr. Kellermann, Dr. Noble, Dr. Sweet) gelang, nicht nur Zugang zu finden zu den der Forschung bereits freigegebenen deutschen Beutedokumenten des War Dept.(De- partmentalRecordsBranch, Alexandria-Virginia), sondern schließ- lich auch zu gewissen, bisher sekretierten Beständen, die sich mit der Verschwörung des 2o. Juli 1944 beschäftigten: den täglichen
Berichten, die der Gestapochef Kaltenbrunner vom 21. Juli bis
15. Dezember 1944 über das Ergebnis der Vernehmung von Häft-
lingen des zo. Juli an Bormann für Hitler erstatten ließ. Ihr Ver- fasser ist(nach dem bekannten Kiesel-Bericht) nicht Kaltenbrun-


