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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
Entstehung
Seite
42
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42 Zweites Kapitel

wissenschaftler Dr. Jeserich hat Entwürfe dafür-in vorsichtiger Form- schon 1932 veröffentlicht. Im Frühjahr 1933 wurden seine Pläne bereits zur Wirklichkeit, nachdem im Zuge der national- sozialistischen»Gleichschaltung« die meisten Oberbürger- meister-, Bürgermeister- und Landratsposten neu besetzt worden waren. Eine führende Rolle spielte dabei der Oberbürgermeister Fiehler von München, der denGedanken des Zusammenschlusses der kommunalen Spitzenverbände Hitler selbst vortrug, und zwar gemeinsam mit Goerdeler und Jeserich.?® Er fand den Beifall des Diktators und wurde von ihm mit der Durchführung beauftragt. Da er sich auf einen Wunsch des»Führers« berufen konnte, ge- lang es ihm schon im Mai, die Vorstände aller kommunalen Spit- zenverbände zur Zustimmung zu bewegen- natürlich nicht ohne einen gewissen moralischen Druck der Partei. Fiehler wurde Vor- sitzender, Jeserich geschäftsführender Präsident des neuen Deut- schen Gemeindetages, Goerdeler(wie Jeserich berichtet)»kraft seiner überragenden Persönlichkeit, seiner Sachkunde und seiner großen kommunalen Erfahrungen« das einflußreichste Mitglied des zwanzigköpfigen Vorstandes; diesem gehörte er bis 1937, d.h. bis zu seinem Ausscheiden aus dem Leipziger Oberbürgermeister- amt an; aber auch nachher hat er noch mehrfach an den Arbeiten des Gemeindetages teilgenommen und seinen Aufgaben stets großes Interesse bewahrt.

Begutachtung von Gesetzen und Verordnungen war neben der Auskunftserteilung an Gemeinden und Gemeindeverbände die Hauptaufgabe der neuen Organisation. Das wichtigste der hier beratenen Gesetze war die neue, einheitliche deutsche Gemeinde- ordnung, die für alle Gemeinden schlechthin galt und am 30. 1. 1935 als Reichsgesetz verkündet worden ist. An ihrer Vorberei- tung hat Goerdeler einen entscheidenden Anteil gehabt. Bevor der Entwurf(der in vielen Bestimmungen auf die Vorschläge des Städtetages von 1930 zurückging) ins Hitler-Kabinett gelangte, wurde er in einem kleinen Kreise beraten und formuliert, dem auch der Leipziger Oberbürgermeister angehörte.?? Nach seiner eigenen Darstellung stammte einer der beiden ersten Entwürfe von ihm, der andere von Fiehler. Das Ergebnis der gesetzgebe- rischen Arbeit hat Goerdeler mehrfach als»vorzüglich« gerühmt - ein Urteil, das auf den ersten Blick verwundern muß angesichts einer Ordnung, die das sogenannte Führerprinzip ebenso kon- sequent durchführte wie das Einparteiensystem und die Selbst- verwaltung durch staatliche Aufsicht sehr stark einengte trotz aller phrasenhaften Versicherungen des Prologs und der Kom- mentare, der Geist des Freiherrn vom Stein solle neu belebt,»eine

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