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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
Entstehung
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40 Zweites Kapitel

Persunalwahl mit einfacher Mehrheit, um die Parteizersplitterung einzuschränken. Vor allem wollten sie die Stellung des Reichs- präsidenten gegenüber dem Reichstag verstärken. An diesem Punkt ist Goerdeler sehr weit gegangen: der Reichspräsident sollte bei der Berufung der Reichsminister nicht an das Vertrau- ensvotum des Reichstags gebunden sein also reine Präsidial- kabinette berufen können!?° Er erklärte es für einen Vorzug sol- cher Kabinette, daß sie durch einen längeren Zeitraum(unter Um- ständen bis zu 7 Jahren) im Amte bleiben und auch unpopuläre Maßnahmen durchsetzen könnten ohne längere Bewährungs- fristen ließen sich große Reformen nun einmal nicht durchführen. Wit werden noch sehen, wie er vor allem die Arbeitslosigkeit mit Hilfe solcher halbdiktatorischen Methoden zu überwinden hoffte.

Ein weiteres Anliegen, das Goerdeler mit Lohmeyer teilte, war die Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung, besonders in Preußen. Die preußischen Regierungsbezirke und Bezirks- regierungen sollten verschwinden, die Zahl der Reichsministerien sollte durch teilweise Zusammenlegung vermindert werden; ins- besondere wollte Goerdeler die Reichsministerien für Wirtschaft und Arbeit zusammenlegen(eine immer wiederkehrende Haupt- forderung!), ebenso die Ministerien für Verkehr(Post, Eisen- bahn, Straßenwesen). Darüber hinaus wünschte er, daß die preu- Rischen Ministerien möglichst weitgehend mit den Reichsmini- sterien verschmolzen würden, zunächst die für Landwirtschaft und Handel; nur das Kultus- und das Finanzministerium Preu- Bens sollten vorläufig selbständig bleiben.?!

Damit war das heikelste aller Verfassungsprobleme ange- rührt: das Verhältnis Preußens zum Reich. Es hatte bekanntlich von jeher, schon in der Reichsgründungszeit, viel Not bereitet, wurde aber in den späteren Jahren der Weimarer Republik immer mehr als lastendes Problem empfunden: nicht nur von seiten der Rechtsparteien, die in Preußen eine sozialdemokratische Mehr- heitsregierung vor sich sahen, sondern auch von den Verwal- tungsreformern, die das Nebeneinander einer hochentwickelten preußischen Verwaltung neben der sich immer mehr ausdehnen- den des Reiches als Luxus empfanden. Nicht alle Reformer waren radikale Unitarier; viele bevorzugten eine mittlere Lösung, wie sie der frühere Reichskanzler(und ehemalige Essener Oberbür- germeister) Dr. Hans Luther vorschlug: die Umgestaltung Preußens zumReichsland, in das auch die kleineren norddeutschen Länder aufgehen sollten, doch so, daß die preußischen Provinzen als»Länder neuer Ordnung« ein erhöhtes Maß von Selbständig-

keit erhielten. Goerdeler hat diese Pläne sehr achtungsvoll be-|

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