30 Zweites Kapitel
ist es, gerade die letztere Arbeit und ihre von Stresemann erreich- ten Erfolge zu übersehen! Mit Gewalt ließ sich doch nichts an- fangen, ohne Heer, also blieb nur die Klugheit! Die einzige heroi- sche Tat, der Ruhrkampf, kostete uns den Rest der Währung. Aber wir hatten Willen und Verstand. Wie klug war die Propa- ganda, die mein damaliger(Königsberger) Oberbürgermeister Lohmey er gegen den Korridor entfaltete! Sie erreichte, daß selbst die Franzosen seit 1930 seine Unsinnigkeit anerkannten. Wie war die Währung anders als durch Sparsamkeit in Ordnung zu bringen?«?
Ra der nationalen Propaganda gegen den»Korridor« hat sich auch Goerdeler eifrig beteiligt: durch viele Vorträge, in denen zwei Landkarten der Grenzprovinz»Einst« und»Jetzt« eine große Rolle spielten. Die Abschnürung Ostpreußens und seinet Hauptstadt vom Reich bereitete den Königsbergern besonders viele Nöte und Sorgen. Je schwieriger dadurch die Aufgaben der Stadtverwaltung w mırden, um so w Jichtiger wurden sie zugleich. Goerdeler hat sie mit einem wahren Feuereifer angepackt. Aber bald erweiterte sich sein Wirkungskreis: er wurde Mitglied des Personal- und Verkehrsausschusses im Deutschen und Preußi- schen Städtetag sowie stellvertretender Vorsitzender des Arbeit- geberverbandes deutscher Gemeinde- und Kommunalverbände? und war auch literarisch in deren Interesse vielfach tätig. Seine Ehrenämter zwangen ihn, beständig zwischen Berlin und Königs- berg hin und her zu reisen, bei wichtigen Tarifverhandlungen oft wochenlang angespannt, zuweilen vom Schlafwagen direkt aufs Rathaus und abends wieder nach Berlin zu jagen. Er hat aber, bei unerschöpflicher Arbeitskraft, gerade diese Aufgaben besonders hoch geschätzt. Sie brachten ihn mit der Arbeiterschaft und ihren Gewerkschaftsvertretungen in immer neue Berührung und ver- schafften ihm eine sehr konkrete Vorstellung von ihren sozialen Problemen. Da auch sein Oberbürgermeister sehr viel abwesend war, hatte er ihn oft in Königsberg zu vertreten. Lohmeyer ge hörte zu jener Gruppe höchst FL er Kommunalpolitiker, die damals(in Fortführung der Ideen von Hugo Preuß) eine große Reform der preußisch-deutschen Verwa altungsorganisation er- strebten. Der Deutsche Städtetag war das Hauptorgan ihres Wir- kens. Goerdeler war an dieser Reformbewegung beteiligt; er hat in ihr bald eine bedeutende Rolle gespielt. Seinem Einsatz auf die- sem weiteren Tätigkeitsfeld verdankte er es wohl in erster Linie, daß sich der Ruf des begabten Mannes bald weithin verbreitete, Im Frühjahr 1930 wurde er zum Oberbürgermeister von Leipzig
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