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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
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Jugend und Mannesteife 27

ganze»Aktion« zusammen, noch ehesie begonnen hat; denn ohne polnische Provokation ist kein verantwortlicher Soldat oder Po- litiker zum»Handeln« zu bringen. Das hindert unseren Patrioten nicht, noch am 25. zu versuchen, ob sich der Oberpräsident von Batocki nicht durch die»Volksräte« zu einer Lossage von der offiziellen Reichspolitik bewegen lasse, und schließlich, als dieser sich versagt, die Generäle noch einmal aufzuputschen; vielleicht, daß sich von Loßberg, Kommandant in Oberschlesien, bereden läßt, gemeinsam mit von Below loszuschlagen? Eine Hoffnung, die ebenfalls rasch scheitert.

Goerdeler hat in einer Schlußbetrachtung zu diesen Ereignissen sehr kritisch über seine Mitspieler(nicht zuletzt über den Or- ganisator der Volksräte, den Schriftsteller G. Cleinow) geurteilt, sie»politische Kinder« genannt, den Verantwortlichen Mangelan Klarheit, Mut, Entschlossenheit vorgeworfen. Aber ihm selbst wird man vorwerfen müssen, daß er hier ausschließlich als Patriot urteilt, nicht als Politiker, der die Realitäten kennen muß. Seine Pläne setzten als erstes voraus, daß die deutsche Bevölkerung zu jedem Opfer im Kampf mit Polen entschlossen war eine Illusion, wie sich bald herausstellte. Seine Haltung zeigt jene prachtvolle Unerschrockenheitund Unbedingtheit, dieihm sein ganzes Leben hindurch eigen war aber auch schon jenes fast blinde Vertrauen auf die Macht politischer Ideale und moralischer Grundsätze im öffentlichen Leben, das ihn später zu so mancher Illusion verfüh- ren sollte. Nachträglich wird man geneigt sein, von Mangel an politisch-militärischem Augenmaß in der Einschätzung der Mög- lichkeiten zu sprechen; doch wiegt dieser Vorwurf nicht allzu schwer, wenn man die völlige Unsicherheit der damaligen Lage bedenkt, gerade auch auf polnischer Seite, und die allgemeine Er- regung, in der auch das Unmöglichste als möglich erscheinen mochte. Wir wissen heute, wie groß der Zwiespalt im Lager der Alliierten in der Frage war, was man den Deutschen an Gebiets- verlusten im Osten zumuten könnte, wie entschieden vor allem Lloyd George noch nach der Überreichung des Vertragsentwurfs auf deutschen Widerstand rechnete, innerlich bereit, ihm an dieser Stelle gerecht zu werden. Als General von Hammerstein im März sich geweigert hatte, die Durchfuhr polnischer Hilfstruppen aus Frankreich über Danzig-Thorn zuzulassen, hatte er damit in Ver- sailles vollen Erfolg gehabt.® Ganz aussichtslos war also der Wi- derstand wohl doch nicht? Der Oberpräsident von Batocki, der die Grenzmark schon im Herbst 1918 gern verselbständigt hätte

und der die patriotischen Erhebungspläne noch bis zuletzt |(a5. Juni) zu fördern sich mühte, hatte dabei einen»Freiheits-