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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
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! Jugend und Mannesreife 25

zu ergreifen« und so»wenigstens die Ehre zu retten«. Er wird damit gerechnet haben, daß sich im Osten immerhin noch be- trächtliche Truppenbestände vorfanden, die auf Verlangen der Siegermächte noch nicht demobilisiert waren, weil man sie als Deckung Europas gegen die rote Flut des Bolschewismus nicht 'entbehren mochte. Von den Alliierten waren sie vor allem zum Schutz des eben sich bildenden neuen polnischen Staates gedacht; aber es gab Patrioten genug, die sie gegen Polen zu verwenden wünschten. Im Stabe des in Westpreußen stehenden XVII. Ar- meekorps und bei den Freiwilligentruppen, die als»Grenzschutz« eingesetzt waren, herrschte ein schr kriegerischer Geist. Außer dem nationalgesinnten Bürgertum waren aber auch gewisse Grup- pen der rechtssozialistischen Gewerkschaften für den Abwehr- kampf gewonnen.

Diese nationale Abwehrbewegung war es, die Goerdeler nach Westpreußen gerufen hat. Zusammen mit seinem Bruder Fritz (demselben, der später sein Todesschicksal hat teilen müssen) meldete er sich zum Dienst im Feldartillerieregiment 71, wurde aber gleich darauf als politischer Verbindungsmann in das Ge- neralkommando des XVII. A. K. in Danzig(General von Below) berufen. Die eigenhändigen Aufzeichnungen in Tagebuchform, die er über seine dortige Tätigkeit hinterlassen hat, lassen deutlich erkennen, daß er gemeinsam mit dem rührigen Zentrumsabgeord- neten Dr. Fleischer die schärfste Tonart vertreten hat. Kein Wun- der, daß hier seine ganze Seele in Wallung war: gehörte doch das deutsch-polnische Verhältnis zu den meisterörterten Themen schon der väterlichen Tafelrunde! Marienwerder lag gerade in dem Gebiet, über dessen Deutschtum nach dem Versailler Frie- densvertrag erst noch abgestimmt werden sollte. Und nirgends ist die künstliche Schöpfung des polnischen Korridors und des Freistaates Danzig so schwer ertragen, so sehr als Unnatur emp- funden worden wie in diesem Streifen Westpreußens hart hinter der Weichsel. Aber was Goerdeler jetzt von den Offizieren des Danziger Generalstabes forderte- und wie er estat, das erinnert doch schon stark an die Denkschriften, in denen er später immer wieder zu einer»Aktion« gegen Hitler aufgerufen hat.

Die politische Leidenschaft tritt in der Form einer scheinbar eiskalten Logik und Aufzählung nüchterner Tatsachen auf.

»I. Der Friede wird nach mir bekannten Stimmungen im

"Westen unterzeichnet werden.

II. Die einzige Möglichkeit, das Deutschtum im Osten und die

- Ostmark dem Reiche zu retten, ist die militärische Niederwerfung

Polens.