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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
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24 Erstes Kapitel

delers für ländliches Siedlungswesen, die Überzeugung, daß der Landflucht mit allen Mitteln gewehrt, ein möglichst großer Teil der Stadtbevölkerung durch eigenen Grundbesitz(etwa in der Form von Stadtrandsiedlungen) der freien Natur zurückgegeben und seßhaft gemacht werden müsse, kehrt in seinem Schrifttum immer wieder. Es konnte keinen eifrigeren Siedlungspolitiker geben als diesen Stadtbürgermeister aus dem agrarischen Osten; noch in seinen letzten Lebensjahren hat er mit Hilfe der Stutt- garter Firma Robert Bosch für seine Familie einen kleinen schwä- bischen Gutshof erworben(Katharinenpläsir im Landkreis Heil- bronn), auf den er große Hoffnungen setzte.

Man begreift, daß er in dem revolutionär gewordenen Deutsch- land zögerte, nach Solingen zurückzukehren, wo die radikalen Elemente stark zugenommen hatten und wo er den Druck der englischen Besatzung schwer empfand. Schließlich hat er aber sein Amt doch noch einmal aufgenommen(April 1919), nicht ohne gutes Zureden seines Vaters, und mit dem gewohnten Eifer sogleich mancherlei Reformen durchgesetzt.® Aber schon im Juni ließ er sich in seine westpreußische Heimat beurlauben- um dort ein politisches Abenteuer zu versuchen, das zum ersten Male ge- wisse typische Charakterzüge des späteren Verschwörers Goerde- ler erkennen läßt.®

Die Unterzeichnung des Versailler Vertrages stand unmittelbar bevor. In Ost- und Westpreußen herrschte größte Aufregung; Volkskundgebungen gegen die Abtretung deutscher Gebiete wurden veranstaltet, überparteiliche»Volksräte« und»parlamen- tarische Aktionsausschüsse« gebildet, letztere im Auftrag eines sogenannten»OÖstparlaments«, zu dem sich die Reichs- und Land- tagsabgeordneten aller bedrohten Ostprovinzen am 20. Mai ver- einigt hatten. Sogar der Gedanke tauchte auf, schlimmstenfalls sich vom Reich zu trennen, wenn dieses außerstande sein sollte, sich dem Versailler Diktat aktiv zu widersetzen. Man wollte dann einen eigenen Öststaat bilden und dessen ganze Bevölkerung zum Kampf gegen Polen mobilisieren. Besonders die Vertreter des »Heimatdienstes und Volksrates«, am 28. Mai zu einem»Fünf- zehnerausschuß« zusammengeschlossen, proklamierten solche Pläne, die auf eine Art von Bürgerkrieg mit den Polen hinaus- liefen. Warnungen der Reichsregierung vor unbedachten Sonder- aktionen(am ı. Juni verkündet) blieben nicht ohne Eindruck, hinderten aber doch nicht, daß selbst August Winnig, der neu-

ernannte sozialdemokratische Reichskommissar für den Osten,

noch am 15. Juni die Bevölkerung aufrief, sich keinesfalls dem Versailler Diktat zu beugen, zur Abwehr nötigenfalls»die Waffen

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