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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
Entstehung
Seite
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22 Erstes Kapitel

städtischen Personals, aber auch in der Durchführung großer technischer Aufgaben, die er als Verwaltungschef bedeutender Städte hat entfalten können. Alle geistigen Anlagen und mensch- lichen Eigenschaften, die ein solcher Chef besitzen sollte, waren ihm in besonders hohem Maße eigen. Auf dem Gebiet der Kom- munalverwaltung und Kommunalpolitik lag seine eigentliche Begabung; von ihr ist er nicht nur ausgegangen, sondern bis zu einem gewissen Grade in seinem Denken überhaupt bestimmt ge- blieben. Vorzüge, aber auch Grenzen und Schwächen seiner We- sensart lassen sich von daher am einfachsten verständlich machen.

Sehr zielbewußt hat er sich auf das Amt eines künftigen Stadt- oberhauptes vorbereitet. Auf Rat des Königsberger Oberbürger- meisters Körte begann er mit einer regelrechten Banklehrzeit: informatorisch in der Bank der Ostpreußischen Landschaft und später inder Preußischen Seehandlung in Berlin arbeitend, wo er besonders mit dem kommunalen Anleihewesen vertraut wurde. Seine kommunale Verwaltungsarbeit nahm er(ebenfalls auf Kör- tes Rat) im Westen auf, um auch die rheinische Stadtverwaltung und die allgemeinen Verhältnisse des Industriereviers kennen- zulernen. Am 1. Oktober 1911 ging er nach Solingen und wurde dort zunächst als unbesoldeter Hilfsarbeiter, aber schon bald als besoldeter Assessor tätig. Ende 1912 wurde er(aus Anlaß einer Berufung nach Halberstadt, die er ausschlug) einstimmig zum Beigeordneten gewählt, d.h. zum einzigen juristisch vorgebil- deten Mitglied der Solinger Stadtverwaltung und wichtigsten Gehilfen, zeitweise Vertreter des Oberbürgermeisters. Als sol- cher ist er vom ı. April 1913 bis(formell) Anfang 1920 tätig ge- wesen und hat so reiche Gelegenheit gehabt, mit den Menschen und den sozialen Problemen der rheinischen Industriegesellschaft bekannt zu werden. Dem konservativen Beamtensohn aus dem Osten traten hier die sozialdemokratischen Stadtverordneten, die selbständigen»Rottenmeister«, die Groß- und Kleinindustriellen als Vertreter einer ihm völlig fremden Welt gegenüber. Darf man die Zeugnisse des Oberbürgermeisters Dicke wörtlich nehmen, so muß es ihm aber gelungen sein, sich rasch große Achtung und menschliche Sympathie zu erwerben- auch bei dem gestrengen Stadtoberhaupt selbst, das ihm anfangs eher kühl gegenüber- getreten war. Die Zeugnisse von 1920 rühmen ihn als ein»ganz bedeutendes Organisationstalent«,»den größten Aufgaben auf

allen Gebieten der Verwaltung vollkommen gewachsen«, heben

aber noch besonders hervor, daß er Klarheit und Festigkeit im Auftreten mit gewinnender Liebenswürdigkeit zu verbinden

wisse; sie loben sein großes Geschick in allen Verhandlungen,

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