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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
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Vorrede 13

nur um einen Punkt: um jenen moralischen Optimismus, der das wahre Wesen des Menschen verkennt und darum im politischen Kampf allzu leicht Illusionen verfällt- anderseits freilich auch wieder als beflügelnder Antrieb wirken kann(was gerade bei Goerdeler der Fall war) und selbst in verzweifelten Lagen vor Resignation bewahrt. Dem Helden dieses Buches wird schon auf S. 47 vorgeworfen, daß er die Macht der Vernunft und des guten Willens überschätzt und darum die Dämonie der politischen Kräfte nicht klar erkannt habe, mit denen er zu ringen hatte.

Dieser Einwand scheint nun vielfach so mißverstanden zu werden(so z. B. in dem Aufsatz von Franz Böhm in der Zeit- schrift»Monat«, Juni 1955), als wollte ich Goerdeler und seinen politischen Freunden vorwerfen, daß sie nicht echte»Revolutio- näre«, sondern allzu bürgerliche Moralisten gewesen wären. Nichts liegt mir in Wahrheit ferner als der Wunsch, sie möchten »Revolutionäre« gewesen sein, dämonische Naturen von der Art Hitlers, denen jedes Mittel recht war im Kampf um die Macht. Denn was hätte Deutschland und die Welt damit gewonnen, wenn das Hitlerregiment durch Kräfte gestürzt worden wäre, die ihm irgendwie wesensgleich waren? Es hätte nichts weiter bedeu- tet, als daß der Satan von Beelzebub verdrängt wurde. Ganz ge- wiß war es nicht die Aufgabe der deutschen Widerstandsbewe- gung,»Revolution« zu machen, sondern im Gegenteil: einem revolutionären Treiben, das die ganze Welt ins Unheil stürzte, schleunigst ein Ende zu machen. Man kann auch sagen: streng gesetzliche, meinetwegen»bürgerliche« Ordnung an die Stelle von mörderischer Willkür und ewig gärendem Chaos zu setzen. Was Deutschland nach dem Zusammenbruch der Hitlerherrschaft brauchte, waren nicht neue Machtmenschen, sondern Männer, die allgemeines Vertrauen verdienten- Vertrauen im Inland wie im Ausland. Die Träger des Widerstandes durften also nicht Ehr- geizige sein, denen es primär auf die Erringung der Machtankam, sondern Patrioten, in denen das sittliche Gewissen alle anderen Stimmen übertönte: gewissenhafte, rechtlich gesinnte Idealisten, die bewußt ihr Leben für Freiheit und Ordnung aufs Spiel setzten. Andernfalls hätten sie ihre historische Mission verfehlt.

Sie hätten sie freilich auch dann verfehlt, wenn sie auf eine Restauration veralteter Zustände hingestrebt hätten. Aber das wollten sie ja gar nicht- auch Goerdeler nicht; ja er vielleicht am wenigsten von allen. Wenn diese seine Biographie irgend etwas neu ans Licht gebracht hat, so ist es der exakte Nachweis, daß er so ziemlich das Gegenteil eines»Restaurators« war, und es über- rascht mich nicht, aber es betrübt mich sehr, daß die meisten

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