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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
Entstehung
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14
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14 Vorrede

Rezensenten meines Buches gerade diesen zentralen Punkt nicht erfaßt haben oder sich dagegen sträuben, offenbar befangen in zähe gewordenen Vorurteilen.

Noch einmal: nicht darin seheich den entscheidenden Einwand gegen die Politik Goerdelers, daß er nicht»Revolutionär« und hemmungsloser Machtpolitiker gewesen ist, sondern darin, daß er die Dämonie seiner Gegner und wahrscheinlich auch die poli- tische Blindheit der Massen des deutschen Volkes unterschätzt, überdies die politische Weitsicht und Handlungsfreiheit auslän- discher Staatsmänner erheblich überschätzt hat. Praktisch bedeu- tet dies vor allem: daß er nicht rechtzeitig die eiserne Notwendig- keit erkannt hat, den Tyrannen gewaltsam aus dem Wege zu räu- men, sondern fast bis zum letzten Augenblick sich dagegen sträubte. Indessen: wer eine solche Kritik ausspricht, wäre selbst ein Illusionär, wenn er das Attentat auf Hitler für eine unfehlbar wirksame Patentlösung hielte. Nicht nur sehr ernste moralische Erwägungen sprachen dagegen(ich habe sie mehrfach, besonders auf S. 436 gewürdigt), sondern auch sehr gewichtige politische Bedenken(über die der Leser u. a. die jetzt neu hinzugefügte An- merkung 130 zum ı5. Kapitel vergleichen möge). Vor allem: so- wohl die äußere Möglichkeit zueiner solchen Mordtat wie ihr poli- tischer Erfolg blieben äußerst zweifelhaft. Es gab aber wie der Mißerfolg Popitz und Langbehns gezeigt hat- auch keine ernst- hafte Möglichkeit, die Front der nationalsozialistischen Macht- haber von innen her aufzubrechen. Und da es vollends unmöglich war, gegen die»revolutionäre« Hitlerbewegung eine»antirevolu- tionäre« Volksbewegung in Gang zu bringen, bleibt nur der Schluß übrig: es gab überhaupt keine irgendwie sichere Erfolgs- chance für den deutschen Widerstand. Was er auch tat und ver- suchen mochte: es blieb immer ein Sprung ins völlig Dunkle. Kann man da noch von»Versagen«, muß man nicht vielmehr von echter Tragik reden?

Die deutsche Widerstandsbewegung ist niemals ein echter Machtkampf gewesen einfach deshalb nicht, weil sie zwangs- läufig machtlos war. Ihre politische Leistung kann darum auch nicht mit den üblichen Maßstäben politischer Historie gemessen werden. Sie war ein reiner Aufstand des Gewissens, und eben darin liegt ihre geschichtliche Bedeutung.

Freiburg, im Februar 1956 Gerhard Ritter

Zur.

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