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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Von dem Trost, daß Gott das letzte Wort über uns habe.

Unsere Zeit ist nicht danach, daß sie wahrhaftige Theologen mit Freuden aufnimmt. Sie ist niemals danach" gewesen, wo die Theologen wahrhaftig waren. Darum brauchten wir uns als heranwachsende Diener der Kirche nicht zu wundern. Es könnte uns ein Zeichen sein, daß wir durch Gottes Willen wieder ein­mal wahrhaftig sein dürfen in der Zeit, die das nicht sein kann. Mit dem Schlagwort Conservativismus der Kirche" gegen die ,, revolutionäre Weltanschauung des Staates" kennzeichnet man die Lage schief und oberflächlich. Die Kirche ist nur darum

wehe, wenn sie es aus einem anderen Grunde wäre- ,, conser­vativ", weil sie an dem revolutionären Wort Gottes, das von Ewigkeit her ist und wie ein Hammer den Felsen zerschmeißt, im Glauben festhält. Das revolutionäre Wort Gottes steht in der Kirche gegen ein revolutionäres" Wort der Welt. Da setzt es Brüche und Funken, was für ein Felsen die Welt auch sei. Und eben darum, weil das heute wieder so deutlich zu werden beginnt, kann es schon eine Lust sein, heute Theologiestudent der protestantischen Theologie zu sein.

Aber auch die Kirche im Dritten Reich ist nicht danach, daß sie wahrhaftige Theologen mit Freuden aufnimmt. Sie sollte es immerdar sein, wo die Theologen wahrhaftig sind. Aber sie kann es heute nicht sein, weil sie nicht allein, und damit garnicht, auf den Fels, der da ist Christus und sein Lebens­wort, baute, sondern auch auf Felsen der Zeit und der Welt, die in jedem Falle Staub und Sand sind und unter den Hammer fallen. Damit verlor das Wort der Kirche die revolutionäre Schlagkraft, die es als Gottes Wort haben sollte. So ist es auch eine schmerzliche Sache, heute Theologiestudent zu sein.

Wunderliche Leute mit wunderlichem Wandel, wunderlicher Lehre, in wunderlicher Zeit?? Als solche Leute, meine Brüder und Kommilitonen, sind wir heute nicht willkommen. Und nun möchte ich euch bitten: laßt euch dieses Nicht- willkommensein"