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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Dabei ist die solchem Studium entgegengehaltene Meinung eine Utopie die allerdings so alt ist wie Gottes Wort an das Volk Israel und dessen Unglaube die politisch- geschichtliche Entwicklung eines Volkes könne die Eigengesetzlichkeit eines neuen Staatsbegriffes vor Gott rechtfertigen. Es bleibt nun ein­mal die alte forderung Gottes an den alten Adam, daß wir Menschen von der Gnade in der Gnadenzeit lebende und wartende Kinder Gottes sein sollen; wo wir das sind, können wir nur dem Staate und der kirchlichen Leitung gehorchen, die uns für diese Gnade und dieses Warten Raum zu reden und zu handeln lassen. Den gegenwärtigen Staatsbegriff als einen christlichen" oder wenigstens als einen solchen zu bezeichnen, der den Christen und Theologiestudenten neben seinem bescheidenen Anspruch Raum ließe für die Zeitbegrenzung und-bestimmung durch Got­tes Heilsplan, dürfte auf einem schwerwiegenden Mißverständ­nis beruhen, gegen das die Kirche zu spät und dann nicht deutlich genug Einspruch erhoben hat. Wie sollte sie dazu kommen, die längst nicht mehr protestantische Kirche des reinen Bekenntnisses der Väter war?

Es wird auch unsere Sache sein, deutsche, protestantische Theo­logiestudenten, dieses Mißverständnis aufzuklären und zu besei­tigen, auf Grund dessen wir plötzlich zeitgebundene, national­sozialistische- ,, protestantische" Theologen werden sollen. Es wird auch das zu unserem wunderlichen" Wesen gehören, daß wir wach und nüchtern sind bei all unserem Reden und Tun in der Furcht des Herrn, der da kommt. Und das allein darum, damit Gott , unser König, groß werde unter uns und unter unse­rem Volk. Dazu sind wir ja Studierende der protestantischen Theologie im Dritten Reich.