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Tagen des Bekennens und Leidens, fragen, ob wir nicht noch bescheidener werden möchten. Solche Bescheidenheit soll und kann nicht den Ruf Gottes an uns und unser gehorsames Hören im täglichen Wandel abwerten; sie soll nur den ungeheuren, todernsten Anspruch des Wortes würdigen: Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig!"( 1. Petr. 1, 16).—
Aber wie ist es nun mit dem Gottes Rinder sein", von dem wir ausgingen? Gibt es so etwas wie eine Vorm, wie eine theologisch- biblische Umschreibung dessen, das wir als eine Art ,, Bekehrung" doch für den Studenten der evangelischen Theologie in unserer Zeit gefordert haben?
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Wenn D. Martin Luther die oben zitierte Umschreibung des ersten Gebotes, dessen Erfüllung im Glauben an Jesus Christus eines ,, Volltheologen" würdig wäre, mit dem Wort„ Gott über alle Dinge fürchten" beginnt; wenn der Psalmist spricht,„ die Furcht des Herren ist der Weisheit Anfang"( Psalm 111, 10)- so möchte man wohl heute, ohne unbescheiden zu sein, von uns deutschen evangelischen Theologiestudenten in unserer Lage fordern, in diesem Anfang der Erfüllung des ersten Gebotes zu stehen. In der Furcht des Herren" liegt nicht alles, was über das erste Gebot an uns zu sagen ist. Die Liebe und das Vertrauen Gottes( letzteres in Luthers Sinn auch„ Glaube") müssen hinzukommen, wenn es ganz recht sein soll. Wir haben von dem Glauben und der Liebe in unserem Beruf bereits gesprochen. Es wäre gewiß etwas Großes, wenn uns diese Gnadengaben Gottes schon früh geschenkt würden. Aber wir haben uns hoffentlich, Brüder und Rommilitonen, darauf geeinigt, bescheiden zu sein, trotzdem und indem wir als Theologen von uns ein Bestimmtsein unseres Wandels von Gottes Willen fordern müssen. Und so mag es zugleich der Ausdruck der Bescheidenheit, aber auch einer unerläßlichen Forderung sein, wenn wir uns als deutsche Studenten der protestantischen Theologie im Dritten Reich beharrlich einander zurufen:„ Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten" oder mit 1. Petr. 1, 17:" Führet euren Wandel, solange ihr hier wallet, mit Furcht."
In der Furcht des Herrn – wollen und müssen wir aller menschlichen Ordnung und dem Staate untertan sein, gerade als evangelische Theologen- es sei denn, der Staat fordere


