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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Weil die Dinge so liegen, halte ich dafür: jene Gemeindeglie der wie ihr Pfarrer haben etwas Richtiges gesagt.

In jedem Theologiestudenten, der heute seinen wunderlichen Beruf und Auftrag durchführen will, muß etwas passiert" sein und täglich neu passieren von seinem eigentümlichen Richtscheid alles theologischen Redens her: von dem Zeugnis der Offen­barung Gottes in der Heiligen Schrift. Wir jungen Theologen befinden uns in einer geschichtlichen Situation, die uns früher und aufwühlender in die geistige Auseinandersetzung mit unserer Umwelt zwingt, als es bei den Theologiestudenten vor dem Kriege nötig war. Wer andere wecken will und das wird von uns eigentlich in jedem Gespräch mit SA.- Rameraden und Ra­meraden im Arbeitslager gefordert der darf nicht selbst in tiefem Schlafe liegen. Wo man heute mit dir als Glied des na­tionalsozialistischen Staates über Rassenfrage, Sterilisations­gesetz, Religionsfrage, Sittenfrage spricht, da mußt du bei allem sozial- und nationalpolitischen, relativen Sonderrecht, das diese fragen beanspruchen dürfen, als Theologe wach sein. Denn nur dann kannst du entscheiden, ob dieses relative Sonderrecht ( das ist theologisch gesprochen von Gottes Ordnung her abge­leitetes und übertragenes Recht!) nicht bereits als absolutes Recht( das ist von Gottes Auftrag und Ordnung gelöstes und selbständiges Recht) gilt.

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Und nun meine ich allerdings, daß es kein echt es Wachsein ist, wenn du nur die Sätze deiner Theologieprofessoren nach­sprichst oder mechanisch und geflissentlich die Heilige Schrift zi­tierst. Dann teilst du nichts anderes als eine Meinung mit, viel­leicht eine wissenschaftlich korrekte; auch eine biblisch belegbare Meinung. Aber eben eine Meinung, die du korrekt beweisen zu können glaubst. Sieh und das können nun andere auch, viel­leicht noch viel korrekter und überzeugender. Der Wunderlich­keitscharakter deines Theologenwesens wird auf dieser gemein­samen Ebene des Streitens über Meinungen" verwischt. Er be­stünde gerade darin, daß du nicht korrekt beweisen und meinen kannst und darfst, vielmehr- und nun passiert eben etwas( auf welche Weise steht hier nicht zur Diskussion), das anderen nicht passiert ist, daß du etwas weißt von dem, der dich berufen hat und heilig ist". Dein Gesprächspartner darf während des