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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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daß ein SA.- Mann Christi"( wie man es in unseren Tagen hören konnte), sondern ein einfältiges, glaubendes, liebendes Rind Gottes dem SA.- Mann Adolf Hitlers gegenübersteht am besten zuerst in dir selbst. Dann wird es ein Gespräch der wahren Liebe Gottes sein, die Entscheidung, die unter Umständen auch Scheidung bedeutet. Daß auch diese Scheidung noch Liebe Christi sei der Liebesapostel Johannes wußte es, vgl. 2. Joh. 10/11 werden wir nicht ,, nachweisen" können und dürfen. Es gehört eben mit dazu, daß auch wir Theologiestudenten nicht ,, Kinder des Fleisches", sondern Gottes Kinder sein sollen, über die man sich wundert.

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Gottes Rinder! Ich könnte mir denken, daß mancher Rommilitone, vielleicht gerade recht ernste Theologen, an dieser Rennzeichnung des jungen Theologiestudenten Anstoß nehmen. Ist das nicht zuviel gesagt; wie sollten wir dann noch reden kön­nen, wenn wir das noch gar nicht ernsthaft von uns wissen? Rön­nen wir das überhaupt von uns wissen? So wird man vielleicht etwas befremdet fragen. Zu dieser heute durchaus wichtigen Fragestellung fällt mir eine kleine Episode ein, die ich hier wie­dergeben möchte.

In einer kleinen Landgemeinde erzählte man mir von den verschiedensten Seiten, daß der Ortspfarrer in einer Bibelstunde über das Damaskus- Er­lebnis des Apostels Paulus gesagt habe: Ich habe seit meiner Studenten­zeit bis heute keine Bekehrung erlebt." Wer hat recht: die aufgeregten Ge­meindeglieder oder der nüchterne Pfarrer?

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Rommilitonen, so notwendig die Zeiten vorbei sein müssen, sie sind noch nicht vorbei in denen der Theologiestudent als ein ethisch hochwertiger, erhabener Mensch und eine Rarität der Heiligkeit gilt, so gewiß darf die Zeit nicht aufkommen und sie ist im Anzug-, in der der Theologiestudent als ein harmloser oder besonders befähigter Anwalt der menschlichen Freiheit gilt, der sich in der Freiheit des protestantischen Glaubens" alles, vielleicht noch mehr als die nichttheologen erlauben kann, in jeder Beziehung: politischer, weltanschaulicher, sittlicher, wissen­schaftlicher. Ist es doch bereits soweit schon gekommen, daß Theologiestudenten zusammen mit Pfarrern, Bischöfen und Pro­fessoren der Theologie einen politischen und völkischen Rult trei­ben, der die Betätigung der berufenen Staatsmänner in dieser Hinsicht schon in den Schatten stellt.