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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Und nun gebe ein Jeder von uns sich selbst Rechenschaft: Sind wir Verkündiger von Gottes Wort, die täglich dem Dreieinigen Gott die Ehre geben und die nur dazu in der Welt sind, damit die Ehre des gesucht werde, der uns gesandt hat, und die Men­schen des deutschen Volkes davon abließen, Ehre von Men­schen zu nehmen? Brüder und Kommilitonen, die ihr Theologen sein wollt, die nicht in eigener Sache reden, denen vielmehr der Herr die Lippen auftut, wie der große und demütige Rönig Da vid singt( Ps. 51, 17): Steht jeden Morgen neu, wenn ihr auf­steht, das niederschmetternde und herrliche Gebot vor eurer Seele, daß ihr des Herrn Ruhm in der Höhe verkündigen sollt und dürft, in eine Zeit hinein, da Kirche und Welt Ehre von­einander nehmen und lieber ihre Ehre bei den Menschen verkün digen?( Wie das der Herr Christus schon den selbstmächtigen und religiös eifrigen Juden vorwarf; Joh. s u. 12.) Seid ihr gerüstet auf diesen Kampf mit der Waffenrüstung des Apostels Paulus?( Eph. 6, 10 ff.).

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Zum Anderen hat die Gemeinde Jesu Christi in Deutsch land heute das besondere Recht, nach der Selbstbesinnung gerade ihrer jungen Theologen zu fragen, indem sie auf die besondere geschichtliche, exponierte Stellung hinweist, die der Jugend im nationalsozialistischen Staate zugewiesen ist. Arbeitslager, S.­kurz Dienst, Schulungs- Kurse und-Lager, Fachschaftsarbeit die gesamte nationalpolitische Erziehung erstrecken sich in erster Linie auf die heranwachsende junge Generation, die zu einem Garanten der nationalsozialistischen Weltanschauung und Staatsauffassung erzogen werden soll. Das ist der klare, ehr­liche, folgerichtige Ausbau des Totalitätsanspruches des na tionalsozialistischen Volksstaates. Fleischwerdung des Natio­nalsozialismus " das ist in der Tat das Ziel der gegenwärtigen weltanschaulichen und nationalpolitischen Erziehungsarbeit.

Liebe Brüder und Kommilitonen: gerade wir als junge Theologen stehen nun in vorderster Front dem Anspruch dieser Staatsauffassung und immer deutlicher ausgebauten Weltan­schauung des Dritten Reiches gegenüber! Geben wir uns selbst Rechenschaft: Stehen wir diesem Anspruch als ganze Theo­logen, als geschlossene front der jungen Theologen mit dem eindeutigen Totalitätsanspruch unseres Herrn an unser Volk