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Stuͤck alle bereits bezeichneten Kennzeichen des Milzbrandes im hohen Grade ausgebildet. Ich gab ſogleich 8 Koͤrner und nach Verlauf einer halben Stunde 9 Koͤrner, und da ſich hier⸗ auf nur wenig Beſſerung zeigte, nach einer halben Stunde 10 Koͤrner. Bald darauf ward der Ochs ruhig, kaͤuete wie⸗ der, die Haare wurden glatt, Ohren und Naſe warm, es ſtellte ſich Freßluſt ein, und ſo wurde der Ochs gerettet.
28) Am 6. Mai, Nachmittags, zeigte der hieſige Schä⸗ fer Meiſinger an, daß von den Schafen der Wittwe Joh. Georg Eichs ein Stuͤck den Milzbrand im hoͤchſten Grade habe. Der Schaͤfer behauptete, er habe die Probe angeſtellt, und nach ſeiner Uberzeugung wuͤrde das Thier in einer halben Stunde todt ſein. Die Probe, die der Schaͤfer machte, beſtand darin: Man haͤlt dem Schafe das Maul mit der Hand ſo feſt zu, daß es keinen Athem holen kann, alsdann laͤßt es den Urin gehen; hat es den Milzbrand, ſo geht ſtatt des Urins Blut
ab. Ich ließ, um mich zu uͤberzeugen, die Probe nochmals anſtellen und ſah, daß wirklich nur Blut abging. Ich gab dem Schafe 7 Koͤrner ein, und nach einer halben Stunde 8 Koͤrner, worauf ſich in ſo fern Beſſerung zeigte, daß das Schaf ſein Junges wieder an ſich trinken ließ. Nach Verlauf einer halben Stunde gab ich nochmals 9 Koͤrner. Bald dar⸗
auf wurde das Schaf wieder viel munterer, ſpitzte die Ohren, der Gaumen wurde warm, und in Zeit von einer Stunde konnte man an der Freßluſt dieſes Schafes nicht unterſcheiden, daß es noch kurz vorher ſo krank geweſen war.
29) Am 11. Mai des Morgens fruͤh meldete der Ortsbuͤr⸗ ger Konrad Daͤchert, von ſeinen Kuͤhen zeige ein Stuͤck keine Freßluſt und gebe nur ſehr wenig Milch. Ich begab mich ſogleich zu dem Ortsbuͤrger und fand die Kuh ſehr trau⸗ rig, den Kopf haͤngend, die Ohren und Naſe kalt, die Haare ſehr borſtig in die Hoͤhe ſtehend; ſie athmete kurz, und beim Athemholen hoͤrte man ein lautes Ächzen. Ich gab der Kuh 8 Koͤrner ein, und da ſich das Achzen noch nicht geben wollte, nach einer halben Stunde nochmals 9 Koͤrner. Hierauf wurde das Achzen ſchlimmer; daher gab ich nach einer halben Stunde nochmals 9 Koͤrner ein. Bald darauf ging eine Menge ſchwarzer, ſtinkender duͤnner Stuhlgang ab und das Achzen verlor ſich; die Kuh wurde ruhiger, legte ſich nieder und kaum war eine halbe Stunde vergangen, ſo kaͤuete ſie wieder, zeigte Freßluſt, alle Symptome des Milzbrandes waren wie weggezaubert, auch gab ſie wieder die gehoͤrige Portion Milch; ſie ward voͤllig hergeſtellt.


