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Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
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Dem Herrn Pfarrer Wais ſtarb gleichfalls eine Kuh am Milzbrand, indem die Mittel zu ſpaͤt angewendet wurden. Der

Knecht hatte mit der Kuh geackert, und fuͤhrte Mittags dieſelbe

auf die Weide, wo ſie nicht frißt und ſich milzbrandkrank zeigt. Nun laͤuft der Knecht gleich in die Stadt, und holt das Heil⸗ mittel, von welchem man ihr auch eingab, allein vergeblich; denn als man ſie nach Hauſe treiben wollte, ſtuͤrzte ſie ſogleich hin und ſtarb.

Das Merkwuͤrdigſte iſt aber noch Folgendes. Es erkrankte dem Hrn. Commiſſionsrath v. Krug das beſte Pferd, weßhalb der hieſige Kreisthierarzt zu Rathe gezogen wurde. Als dieſer kam und das Pferd naͤher unterſucht hatte, erklaͤrte er, das Pferd habe den Milzbrand und ſei wahrſcheinlich verloren. Er ſchlug

dem Thier eine Ader, verſchrieb einen Trank und gab etwas

von dieſem ein, befahl auch, mit dem Eingeben fortzufahren, indem er in einer Stunde wieder kommen werde. Der Be⸗ ſitzer des Pferdes holte ſich aber ſchleunigſt bei mir ein Glaͤs⸗ chen mit Anthrax, ſtellte die verſchriebene Medicin bei Seite und gab nun 50 Koͤrner vom Heilmittel und zwar in 1 Stunde 6 Mal ein. Als der Kreisthierarzt wieder kam, war derſelbe ganz erſtaunt uͤber die große Veraͤnderung, die mit dem Pferde vorgegangen war, und ſagte: Ihr Pferd iſt wieder geſund. Er gab dem Thiere etwas Heu, welches von demſelben ge⸗ freſſen wurde.*) 1

Die uͤbrigen mißgluͤckten hier mitgetheilten Faͤlle beweiſen gegen die Heil⸗ kraͤftigkeit des Mittels nichts, denn man kann nur da ſichern Erfolg davon erwarten, wo daſſelbe gleich beim Beginn der Krankheit und ai⸗ lein angewendet wird. 4 5

*) In den Faͤllen, wo ſchon Traͤnke eingegeben wurden, mag eine ſo ſtarke Gabe von 50 Streukugelchen paſſend ſein, ſonſt aber kann ich zu einer ſolchen Gabe nicht rathen. Daß in dieſem Falle Anthrax das Pferd rettete, unterliegt wohl keinem Zweifel, denn waͤre von dem Pferde⸗ trank, wie ſolcher bei Pferdekuren verſchrieben wird, fortgegeben worden, ſo wuͤrde das Pferd mehr an den Folgen des Trankes, als an denen des Milzbrandes geſtorben ſein. 4