Druckschrift 
Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen

91

befeuchteten Streukuͤgelchen, die die Groͤße von Mohnſamenkoͤr⸗ nern haben koͤnnen, benutzt man zur Heilung des Milzbrandes. Man ſtelle das Heilmittel an keinen feuchten oder ſtark riechen⸗ den, nicht zu kalten und nicht zu heißen Ort, auch nicht da⸗ hin, wo daſſelbe dem Sonnenſchein ausgeſetzt iſt, auch darf man das Heilpraͤparat nie lange dem Tageslichte ausſetzen. Gebraucht man daher das mit Streukuͤgelchen gefuͤllte Glaͤs⸗ chen, ſo trage man Sorge, daß es nicht lange geoͤffnet, nicht lange dem Tageslichte, am wenigſten dem Sonnenſcheine aus⸗ geſetzt bleibe. Man beobachte ferner ſtets die groͤßte Rein⸗ lichkeit. Bricht z. B. ein Kork ab oder geht ſonſt verloren, ſo nehme man nie einen ſchon gebrauchten, ſondern erſetze den verlornen durch einen ganz neuen. Wird dies Praͤparat ſorg⸗ faͤltig aufgehoben, ſo kann man verſichert ſein, daß es die Heil⸗ kraft Jahre hindurch behaͤlt. Nur die Vorſicht gebrauche man, die Streukuͤgelchen, mit der dreißigſten Kraftentwickelung be⸗ feuchtet, nach Verlauf eines Jahrs, ſollten ſie nicht verbraucht ſein, wegzuſchuͤtten und neue zu befeuchten mit dem Heil⸗ mittel Nr. 30. Fuͤnf bis zehn ſolcher mit Anthrax Nr. 30. befeuchteter Streukuͤgelchen reichen vollkommen hin fuͤr jede ein⸗ zelne Gabe, um den Milzbrand zu heilen, wie ich bereits aus⸗ fuͤhrlich bei der Behandlung dieſer Krankheit angab. Sollten indeſſen Epizootien vorkommen, wie ſolche vor⸗ zuͤglich Kauſch beobachtete, wo die Milz bei der Section weni⸗ ger deſtruirt angetroffen wird, ſo iſt das eben angegebene Heil⸗ mittel moͤglicher Weiſe weniger heilkraͤftig, als dasjenige, wel⸗ ches aus den brandigen Lungen bereitet werden kann. Es wuͤrde dann dieſes eben ſo bereitet werden muͤſſen, nur mit dem Unterſchiede, daß man nicht aus der brandigen Milz drei Tropfen Milzbrandgift, ſondern eben ſo viel von der brandi⸗ gen Subſtanz der Lungen zur Bereitung des Heilmittels nimmt. Oder ſollte die Milz eben ſo gut zerſtoͤrt angetroffen werden, wie die Lunge, und das eine oder andere Praͤparat oft vergeblich angewendet werden, dann wuͤrde es noͤthig ſein, ſowohl von der Milz, als von der Lunge ein Paar Tropfen Gift aufzunehmen, beides zu miſchen und auf oben angegebene Weiſe zu potenziren.. Dieſes habe ich indeſſen nur als moͤglich angefuͤhrt, in wie⸗ fern der Milzbrand nach verſchiedenen Sections⸗Berxichten ver⸗ ſchieden erſcheinen kann... 2 Mit dem Blute eines am Milzbrande geſtorbenen Thiers habe ich gleichfalls Heilverſuche unternommen. Ich ordnete zu dieſem Behufe bei einer Kuh, die alle Zeichen des Milz⸗ brandes zeigte, einen Aderlaß an, nach welchem das Stuͤck