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gium haben, die ſelbſt in den anſteckendſten Epidemien nicht von den graſſirenden Krankheiten ergriffen werden;— ſo wie z. B. Kinder in Maſern⸗, Scharlach⸗, Frieſel⸗Epidemien frei von der Anſteckung bleiben, ſelbſt wenn Eltern wegen Gutar⸗ tigkeit der Epidemie ſorgfaͤltig die Anſteckung herbei zu fuͤhren ſuchten, nicht angeſteckt werden;— ſo wie manches Kind fuͤr die Pockenimpfung keine Empfaͤnglichkeit zeigt und 1, 2, 3 Mal vergeblich geimpft wird(ich kenne ein Individuum, 26 Jahre alt, welches ſeit der fruͤheſten Jugend 7 Mal ohne Erfolg geimpft wurde);— ſo verhaͤlt es ſich auch bei den Thieren. Auch bei dieſen wird zur Anſteckung ſtets eine ge⸗ wiſſe Empfaͤnglichkeit fuͤr das Contagium Statt finden muͤſſen, um angeſteckt werden zu koͤnnen. Es muß eine gewiſſe An⸗ lage zur Aufnahme und Ausbildung des Anſteckungsſtoffes, ſoll Anſteckung Statt finden koͤnnen, als erſte und vorzuͤglichſte Bedingung der Anſteckung gerechnet werden, ohne welche ſolche nie eintreten kann. Dieſe Anlage oder Dispoſition kann hin⸗ ſichtlich des Alters und des Koͤrperbaues mehr oder weniger exiſtiren. Der Erfahrung nach finden wir, daß junge und alte Thiere weniger vom Milzbrande angeſteckt werden, dage⸗ gen das kraftvolle, fette, vollſaftige, wohlgenaͤhrteſte Vieh mitt⸗ lern Alters, die ſchoͤnſten und beſten Stuͤcke weit leichter ange: ſteckt werden koͤnnen. Jene erkranken am Milzbrande weit ſelt⸗ ner als dieſe.
2) Nebſt dem Daſein iſt auch die Aufnahme des An⸗ ſteckungsſtoffes erforderlich. Dieſe geſchieht bisweilen durch laͤngeres Verweilen im Dunſtkreiſe mehrerer am Milzbrande kranker Thiere, oder auch durch leichte Beruͤhrung, am meiſten und ſicherſten aber durch innigen Contact, und je inniger die⸗ ſer iſt, deſto ſicherer wird die Anſteckung entſtehen koͤnnen.
3) Mehr oder weniger langſamer Verlauf der Krankheit, damit nach innen jene Verderbniſſe, jene brandigen Zerſtoͤrun⸗ gen, die zur Erzeugung des Anſteckungsſtoffes noͤthig ſind, entſtehen koͤnnen. Die Erfahrung lehrt uns, daß der Milz⸗ brand, je ſchneller er toͤdtet, deſto weniger die Eigenſchaft der Verbreitung mit ſich fuͤhrt. Daher faͤllt bisweilen in Heer⸗ den Nachts oder bei Tage in kurzer Zeit ein Stuͤck und nicht eins wieder; daher ſehen wir in den Ortſchaften, in welchen der Milzbrand mit beſonderer Malignitaͤt ſich zeigt, nur nach gewiſſen Zeitintervallen die Stuͤcke ploͤtzlich fallen. Dagegen beweiſen die Beſchreibungen des Milzbrandes, daß da, wo der Verlauf der Krankheit 3—9 Tage dauerte, auch groͤßere Zerſtoͤrungen in den Eingeweiden bei den Sectionen ſich vor⸗ fanden, womit meiſt mehr Anſteckungseigenſchaft verbunden iſt.


