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Muthmaßungen. Auch bei der Cholera bleibt nichts uͤbrig, als ſeine Zuflucht zu der Annahme zu nehmen, daß die Krank⸗ heit durch ein, unter gewiſſen Bedingungen in der Luft ſich entwickelndes Miasma erzeugt werden muͤſſe.— Eben ſo ver⸗ haͤlt es ſich mit dem Milzbrande. Viele Krankheiten ſind miasmatiſch und contagioͤs. Dieſe werden bei den Epidemien verſchiedener Krankheiten durch ein Luftmiasma erzeugt und haͤufig durch Contagium, welches ſich im Menſchen waͤhrend der Krankheit entwickelt, fortgepflanzt, wobei die miasmatiſche Beſchaffenheit der Luft die Praͤdispoſition zur Krankheit liefert, auf welche Weiſe ſich das Contagium um ſo leichter fort⸗ pflanzen kann. Ich ſuche daher die wahre Urſache des Milz⸗ brandes nur in einer gewiſſen, durch das Zuſammentreffen meh⸗ rerer beſonders auf die Witterung ſich beziehenden Umſtaͤnde ent⸗ ſtehenden und ſich immermehr, je laͤnger dieſe unguͤnſtigen Um⸗ ſtaͤnde anhalten, entwickelnden und verbreitenden Luftmiſchung, in Folge deren ein Miasma entſteht, welches den Milzbrand erzeugt. Bedingungen, unter denen ſich dieſes beſonders leicht entwickeln kann,(nach Erfahrungen entſteht der Milzbrand nicht immer unter dieſen Bedingungen) ſind ſehr feuchte Wit⸗ terung, auf welche anhaltende Hitze und Duͤrre folgt, und ge⸗ wiſſe Localitaͤten des Orts, in welchem die Krankheit ſich oft zeigt.
§ 12. Von der Anſteckung. 4
Die franzoͤſiſchen Arzte 8 Gilbert, Paulet und Andere zweifeln nicht an der anſteckenden Eigenſchaft des Milz⸗ brandes, und ſie haben Recht. Die deutſchen AÄrzte ver⸗ werfen dieſe Anſicht mehr oder weniger und behaupten, der Milzbrand ſtecke nicht an, und dieſe haben gleichfalls Recht. Beide Parteien haben indeſſen Unrecht, wenn ſie ihre Be⸗ hauptungen als durchgaͤngig angenommen wiſſen wollen. Kauſch, der den Milzbrand ſo haͤufig zu beobachten Gelegenheit hatte, iſt, zufolge einer Erfahrung von großem Umfange, uͤberzeugt, daß der Milzbrand nicht anſteckt, und zwar ſpricht er folgende Gruͤnde aus. Er ſagt:„Ein großer Theil des Viehes, wel⸗


