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Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
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Anſteckung iſt zwar, wie ich weiter unten zeigen werde, nicht in Abrede zu ſtellen, allein einmal muß die Krankheit aus erſter Hand entſtehen, und dann wird die Anſteckung nicht in dem hohen Grade beobachtet, daß dieſelbe als ein vorzuͤgliches urſachliches Moment angenommen werden kann.

10) Unreinlichkeit in den Staͤllen und hieraus entſtehende ungeſunde, den Thieren ſchaͤdliche Luft. Ich kenne Landwirthe, die ihre Staͤlle ſo ſauber und reinlich halten, die Staͤlle neu pflaſtern ließen, neue Krippen, neue Raufen anſchafften, in der Meinung, die Krankheit werde durch Anſteckung unterhal⸗ ten; aber bei allen dieſen Vorſichtsmaßregeln befiel deſſen un⸗ geachtet der Milzbrand das Vieh wie fruͤher.

11) Miasma, durch eine uns unbekannte Luftconſtitution erzeugt. Nachdem ich die verſchiedenen muthmaßlich angenom⸗ menen Urſachen des Milzbrandes hinlaͤnglich widerlegt und be⸗ wieſen zu haben glaube, daß uns die Urſachen dieſer Krank⸗ heit bis dahin noch voͤllig unbekannt ſind, ſo komme ich auf die Urſache, die uns zwar in unſern klaren Begriffen nicht viel weiter bringt, aber doch nach meiner Überzeugung das Einzige iſt, woran wir uns halten koͤnnen bei dieſer eben ſo merkwuͤrdigen und unerklaͤrlichen, als auch moͤrderiſchen und heimtuͤckiſchen Krankheit. Der Milzbrand liefert uns viel un⸗ begreifliche, unſern menſchlichen Einſichten und Begriffen voͤl⸗ lich unerklaͤrbare Data. So iſt durch vielfaͤltige Erfahrungen in dem oben angefuͤhrten Orte, wo dieſe Krankheit ſtets, in jeder Jahreszeit, kurze Intervalle abgerechnet, angetroffen wird, erwieſen, daß ſie ganz beſonders das Vieh in gewiſſen Haͤu⸗ ſern, in gewiſſen Straßen befaͤllt, ohne auch nur den minde⸗ ſten Grund hiervon auffinden zu koͤnnen. In den Doͤrfern, die ½ Stunde entfernt liegen, von denen das eine nach Weſt, das andere nach Oſt gelegen iſt, kommt die Krankheit gar nicht vor. Dagegen wuͤthete die Krankheit in einem andern, ebenfalls nur ½ Stunde entfernten, nach Suͤd gelegenen Orte jaͤhrlich unter dem Vieh. Der Grund hiervon iſt ſchwer aufzufinden, denn die hoͤhere und tiefere Lage iſt ziemlich dieſelbe, nur der Ort, in welchem die Krankheit ſeit vielen Jahren nie beob⸗ achtet wurde, liegt am tiefſten. Bei dieſen unerklaͤrlichen Da⸗ tis faͤllt mir unwillkuͤrlich jene Krankheit, die Cholera asiatica, ein, welche neuerlich wieder ihr wuͤthendes Haupt in Ita⸗ lien erhob, um eine bedeutende Anzahl Menſchen wegzuraf⸗ fen. Bei den hundert Schriften, welche uͤber dieſe Krankheit erſchienen, kann man in Wahrheit ſagen: Wir wiſſen uͤber deren Entſtehen und Fortgang ſo gut, wie nichts Gewiſſes. Die Erfahrungen widerlegten alle Theoreme, Annahmen und